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Guter Glaube

Begriffserklärung: Guter Glaube im Recht

Der Begriff „Guter Glaube“ bezeichnet im rechtlichen Kontext die Überzeugung einer Person, dass sie in einer bestimmten Situation rechtmäßig handelt oder dass eine bestimmte Tatsache zutrifft. Diese Überzeugung besteht, obwohl objektiv betrachtet ein Fehler vorliegen kann. Der gute Glaube ist damit das Gegenteil von Arglist oder bewusster Unkenntnis und spielt in vielen Bereichen des Zivilrechts eine wichtige Rolle.

Bedeutung und Funktion des Guten Glaubens

Der gute Glaube schützt Personen, die ohne eigenes Verschulden auf den Bestand eines Rechts oder auf die Richtigkeit bestimmter Umstände vertrauen. Er dient dazu, das Vertrauen in den Rechtsverkehr zu stärken und unverschuldete Irrtümer nicht zu bestrafen. Wer sich also im guten Glauben befindet, genießt unter bestimmten Voraussetzungen einen besonderen Schutz durch das Recht.

Schutzwirkungen des Guten Glaubens

In verschiedenen Situationen kann der gute Glaube dazu führen, dass Rechte erworben werden oder Ansprüche bestehen bleiben – selbst wenn objektiv ein Mangel vorliegt. Beispielsweise kann jemand Eigentum an einer Sache erwerben, obwohl der Veräußerer gar nicht berechtigt war, diese zu übereignen – vorausgesetzt der Erwerber handelte gutgläubig.

Grenzen des Guten Glaubens

Der Schutz durch den guten Glauben gilt jedoch nicht uneingeschränkt. Wer grob fahrlässig handelt oder bewusst Tatsachen ignoriert („Augen-zu-und-durch“-Mentalität), kann sich nicht auf guten Glauben berufen. Auch bei offensichtlichen Zweifeln an der Rechtmäßigkeit eines Geschäfts entfällt dieser Schutz.

Unterschied zwischen Gutem und Bösem Glauben

Dem guten Glauben steht der sogenannte böse Glaube gegenüber: Hier weiß eine Person um einen Mangel oder nimmt diesen zumindest billigend in Kauf. In solchen Fällen greift kein Vertrauensschutz; vielmehr können sogar nachteilige Folgen drohen.

Anwendungsbereiche des Guten Glaubens im Zivilrecht

Sachenrecht (Eigentumserwerb)

Im Sachenrecht ist guter Glaube besonders relevant beim Erwerb beweglicher Sachen von Nichtberechtigten: Kauft jemand beispielsweise ein Fahrrad von einer Person, die es gestohlen hat (ohne dies zu wissen), so kann unter Umständen dennoch Eigentum erworben werden – sofern keine Anhaltspunkte für einen Diebstahl erkennbar waren.

Vertragsrecht (Vertretungsmacht)

Auch beim Abschluss von Verträgen spielt guter Glaube eine Rolle: Schließt jemand mit einem Vertreter einen Vertrag ab und geht davon aus, dass dieser zur Vertretung berechtigt ist (obwohl dies tatsächlich nicht zutrifft), so können bestimmte Rechtsfolgen eintreten – abhängig davon, ob gutgläubiges Vertrauen bestand.

Sicherungsrechte und Urkundenverkehr

Im Zusammenhang mit Sicherungsrechten wie Hypotheken sowie bei Wertpapieren wird dem gutgläubigen Erwerber oft besonderer Schutz gewährt; dies soll den reibungslosen Ablauf wirtschaftlicher Transaktionen fördern.

Bedeutung für den Rechtsverkehr

Die Berücksichtigung des guten Glaubens trägt maßgeblich zur Sicherheit und Stabilität im Wirtschaftsleben bei. Sie ermöglicht es Beteiligten am Geschäftsleben darauf zu vertrauen, dass ihre Handlungen auch dann Bestand haben können, wenn ihnen unverschuldet Fehler unterlaufen sind.

Häufig gestellte Fragen zum Thema „Guter Glaube“

Was bedeutet „guter Glaube“ aus rechtlicher Sicht?

„Guter Glaube“ beschreibt die Annahme einer Person über das Bestehen eines Rechtes oder Sachverhalts ohne Kenntnis gegenteiliger Umstände sowie ohne grobe Fahrlässigkeit hinsichtlich möglicher Zweifel.

Kann jeder sich auf guten Glauben berufen?

Nicht jede Person kann sich automatisch auf guten Glauben berufen; Voraussetzung ist stets fehlende Kenntnis vom tatsächlichen Sachverhalt sowie das Fehlen grober Fahrlässigkeit.

Können Minderjährige vom Grundsatz des guten Glaubens profitieren?

Minderjährige können grundsätzlich ebenfalls vom Grundsatz profitieren; allerdings gelten besondere Vorschriften hinsichtlich ihrer Geschäftsfähigkeit und Verantwortlichkeit.

Lässt sich guter Glaube nachträglich widerlegen?

Sobald bekannt wird oder hätte bekannt sein müssen, dass ein Mangel besteht beziehungsweise Zweifel angebracht wären,
ist kein Berufungsgrund mehr gegeben; ab diesem Zeitpunkt entfällt der Schutz durch den Grundsatz.

ISt guter glaube auch außerhalb zivilrechtlicher Bereiche relevant?


Der Begriff findet überwiegend Anwendung im Zivilrecht,
vereinzelt aber auch in anderen Bereichen wie etwa dem öffentlichen Recht.

Welche Bedeutung hat böser glaube?


Böser glaube liegt vor,
wenn jemand positive Kenntnis über einen Mangel besitzt
beziehungsweise diesen billigend in Kauf nimmt;
hier greift kein schutzwürdiges Vertrauen.