Legal Wiki

Widerrechtlichkeit

Veröffentlicht von MTR Legal Rechtsanwälte, Wirtschaftsrechtliche Kanzlei · Letzte Bearbeitung: 6. Mai 2026

Einführung in den Begriff der Widerrechtlichkeit

Der Begriff der Widerrechtlichkeit ist ein zentraler Bestandteil des rechtlichen Verständnisses von Handlungen, die gegen geltende Normen verstoßen. In einem allgemeinen Sinne beschreibt Widerrechtlichkeit die Verletzung von gesetzlichen oder gesellschaftlichen Regeln, die in einem bestimmten Rechtsraum gelten. Diese Verletzung kann sowohl durch aktives Handeln als auch durch Unterlassen entstehen und umfasst eine Vielzahl von rechtlichen Bereichen, von zivilrechtlichen Ansprüchen bis hin zu strafrechtlichen Vergehen.

Widerrechtlichkeit spielt eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung von Rechtsverstößen, da sie häufig eine notwendige Voraussetzung für die Geltendmachung von Ansprüchen ist. Ohne die Feststellung der Widerrechtlichkeit kann es schwierig sein, rechtliche Konsequenzen zu ziehen oder Entschädigungen zu fordern. Somit bildet sie die Grundlage für die Bewertung, ob eine Handlung rechtlich unzulässig ist und welche Folgen sich daraus ergeben könnten.

Ein Beispiel für widerrechtliches Handeln ist das unerlaubte Betreten eines Grundstücks ohne die Erlaubnis des Eigentümers. In einem solchen Fall liegt eine Verletzung des Hausrechts vor, die als widerrechtlich angesehen wird. Ebenso kann das Kopieren geschützter Werke ohne Zustimmung des Urhebers als widerrechtlich eingestuft werden. Diese Beispiele verdeutlichen, dass Widerrechtlichkeit in vielen alltäglichen Situationen eine Rolle spielt und sowohl zivil- als auch strafrechtlich relevant sein kann.

Widerrechtlichkeit im Zivilrecht

Im Zivilrecht ist die Widerrechtlichkeit ein zentrales Element, das oft im Zusammenhang mit Schadensersatzansprüchen zur Anwendung kommt. Eine Handlung ist widerrechtlich, wenn sie gegen die bestehenden Rechte einer anderen Person verstößt. Dazu gehören insbesondere die Verletzung von Eigentumsrechten, Persönlichkeitsrechten oder vertraglichen Verpflichtungen. Die Feststellung der Widerrechtlichkeit ist häufig die Grundlage für die Geltendmachung von Rechten, wie etwa Schadensersatz oder Unterlassungsansprüche.

Ein typisches Beispiel im zivilrechtlichen Kontext ist die Sachbeschädigung. Wenn jemand das Auto eines anderen beschädigt, ohne dazu berechtigt zu sein, handelt es sich um eine widerrechtliche Handlung, die einen Schadensersatzanspruch auslösen kann. Ebenso kann die Verbreitung falscher Tatsachen über eine Person in der Öffentlichkeit als widerrechtlich angesehen werden, was Ansprüche auf Widerruf und gegebenenfalls Schmerzensgeld nach sich ziehen kann.

Widerrechtlichkeit im Zivilrecht kann auch vertragliche Beziehungen betreffen. Wenn eine Vertragspartei ihre Verpflichtungen nicht erfüllt, kann dies als widerrechtlich eingestuft werden und zu Ansprüchen auf Erfüllung, Schadensersatz oder Rücktritt führen. Dabei ist es entscheidend, dass die verletzte Partei nachweisen kann, dass die Handlung oder das Unterlassen der anderen Partei gegen die vertraglichen Vereinbarungen verstoßen hat.

Widerrechtlichkeit im Strafrecht

Im Strafrecht bedeutet Widerrechtlichkeit, dass ein bestimmtes Verhalten gegen die gesetzlichen Strafvorschriften verstößt. Dies kann sowohl bei vorsätzlichen als auch bei fahrlässigen Handlungen der Fall sein. Strafrechtlich relevante widerrechtliche Handlungen führen in der Regel zu einer staatlichen Sanktionierung, die von Geldstrafen über Freiheitsstrafen bis hin zu Bewährungsauflagen reichen kann.

Ein klassisches Beispiel für widerrechtliches Verhalten im Strafrecht ist der Diebstahl. Hierbei wird jemandem eine Sache entwendet, die ihm rechtlich gehört, ohne dessen Einverständnis. Diese Handlung erfüllt den Tatbestand des Diebstahls, was eine widerrechtliche Handlung darstellt und entsprechende strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht. Ebenso kann Körperverletzung als widerrechtlich angesehen werden, wenn sie ohne rechtfertigenden Grund erfolgt und eine Verletzung des Körpers oder der Gesundheit einer anderen Person herbeiführt.

Im Bereich des Strafrechts ist es wichtig, zwischen widerrechtlichen und gerechtfertigten Handlungen zu unterscheiden. So kann eine Handlung, die an sich widerrechtlich erscheint, durch einen Rechtfertigungsgrund, wie etwa Notwehr, gerechtfertigt sein. In solchen Fällen entfällt die Strafbarkeit, da die Handlung durch eine höhere rechtliche Norm gedeckt ist.

Rechtfertigungsgründe und Widerrechtlichkeit

Rechtfertigungsgründe spielen eine bedeutende Rolle bei der Beurteilung der Widerrechtlichkeit einer Handlung. Sie können eine Handlung, die an sich widerrechtlich wäre, rechtfertigen und die damit verbundenen rechtlichen Konsequenzen abmildern oder ganz beseitigen. Zu den bekanntesten Rechtfertigungsgründen gehören Notwehr, Notstand und Einwilligung.

Notwehr ist ein häufiger Rechtfertigungsgrund, der in Situationen angewendet wird, in denen eine Person eine gegenwärtige und rechtswidrige Gefahr abwehrt. In solchen Fällen wird die Handlung, die normalerweise als widerrechtlich angesehen würde, durch das Recht auf Selbstverteidigung gerechtfertigt. Ebenso kann der Notstand als Rechtfertigungsgrund herangezogen werden, wenn eine Handlung erforderlich ist, um eine drohende Gefahr von sich oder anderen abzuwenden.

Die Einwilligung stellt einen speziellen Rechtfertigungsgrund dar, bei dem die betroffene Person ausdrücklich oder konkludent in die Handlung einwilligt. Ein klassisches Beispiel hierfür ist der Sportbereich, wo Teilnehmende in bestimmte Risiken einwilligen, die mit der Ausübung des Sports verbunden sind. Die Einwilligung führt dazu, dass die Handlung nicht mehr als widerrechtlich angesehen wird, da das Einverständnis der betroffenen Person vorliegt.

Die Rolle der Widerrechtlichkeit in der täglichen Praxis

Widerrechtlichkeit ist ein Begriff, der in der täglichen Praxis oft von erheblicher Bedeutung ist, da er die Grundlage für viele rechtliche Auseinandersetzungen bildet. Von Mietstreitigkeiten über Verkehrsunfälle bis hin zu Konflikten am Arbeitsplatz – die Frage, ob eine Handlung widerrechtlich ist, kann den Ausgang eines Rechtsstreits entscheidend beeinflussen. Die Klärung dieser Frage erfordert oft eine genaue Analyse der Umstände und der beteiligten Interessen.

In der Praxis ist es häufig erforderlich, die widerrechtliche Natur einer Handlung detailliert zu prüfen, um festzustellen, ob Ansprüche geltend gemacht werden können. Dies erfordert eine Abwägung der rechtlich geschützten Interessen und der Umstände, unter denen die Handlung begangen wurde. Dabei spielen auch die subjektiven Vorstellungen und Absichten der handelnden Person eine Rolle, um die Widerrechtlichkeit zu beurteilen.

Ein praktisches Beispiel ist eine Situation, in der ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer ohne triftigen Grund kündigt. In einem solchen Fall könnte die Kündigung als widerrechtlich angesehen werden, was dem Arbeitnehmer das Recht geben könnte, gegen die Kündigung vorzugehen. Die Prüfung der Widerrechtlichkeit umfasst hier eine Bewertung der arbeitsrechtlichen Vorschriften und der Umstände, unter denen die Kündigung ausgesprochen wurde.

Was versteht man unter Widerrechtlichkeit?

Widerrechtlichkeit beschreibt die Verletzung von gesetzlichen oder gesellschaftlichen Regeln, die in einem bestimmten Rechtsraum gelten. Sie kann durch aktives Handeln oder Unterlassen entstehen und umfasst unterschiedliche rechtliche Bereiche.

Wie unterscheidet sich Widerrechtlichkeit im Zivilrecht und Strafrecht?

Im Zivilrecht bezieht sich Widerrechtlichkeit auf Handlungen, die gegen die Rechte einer anderen Person verstoßen, wie Eigentum oder Persönlichkeitsrechte. Im Strafrecht bedeutet Widerrechtlichkeit, dass ein Verhalten gegen gesetzliche Strafvorschriften verstößt.

Welche Rolle spielen Rechtfertigungsgründe im Kontext der Widerrechtlichkeit?

Rechtfertigungsgründe können eine an sich widerrechtliche Handlung rechtfertigen und die damit verbundenen rechtlichen Konsequenzen abmildern oder beseitigen. Beispiele sind Notwehr, Notstand und Einwilligung.

Wie kann man feststellen, ob eine Handlung widerrechtlich ist?

Die Feststellung der Widerrechtlichkeit erfordert eine genaue Analyse der Umstände und der beteiligten Interessen. Es müssen rechtlich geschützte Interessen und die Umstände der Handlung abgewogen werden.

Welche Konsequenzen hat eine widerrechtliche Handlung?

Widerrechtliche Handlungen können zivilrechtliche Ansprüche wie Schadensersatz oder Unterlassung auslösen und im Strafrecht zu staatlichen Sanktionen wie Geld- oder Freiheitsstrafen führen.

Kann eine Handlung trotz Widerrechtlichkeit gerechtfertigt sein?

Ja, eine Handlung kann durch Rechtfertigungsgründe wie Notwehr oder Einwilligung gerechtfertigt sein, wodurch die Widerrechtlichkeit entfällt und keine rechtlichen Konsequenzen nach sich zieht.

Welche Beispiele gibt es für widerrechtliches Handeln im Alltag?

Beispiele sind das unerlaubte Betreten eines fremden Grundstücks, Sachbeschädigung oder die Verbreitung falscher Tatsachen über eine Person. Diese Handlungen können sowohl zivil- als auch strafrechtlich relevant sein.

MTR Legal Rechtsanwälte

MTR Legal Rechtsanwälte

Wirtschaftsrechtliche Kanzlei · Empfohlen von Handelsblatt & Best Lawyers

Letzte Bearbeitung: 6. Mai 2026