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Überholende Kausalität

Begriff und Bedeutung der Überholenden Kausalität

Die überholende Kausalität ist ein Begriff aus dem deutschen Zivilrecht und Strafrecht, der eine besondere Konstellation im Zusammenhang mit Ursache und Wirkung beschreibt. Sie spielt vor allem dann eine Rolle, wenn mehrere Ursachen für einen bestimmten Erfolg in Betracht kommen, diese aber zeitlich nacheinander eintreten. Die überholende Kausalität liegt vor, wenn eine zunächst gesetzte Ursache für einen Schaden oder Erfolg durch ein späteres Ereignis „überholt“ wird. Das bedeutet: Die spätere Ursache führt den Erfolg herbei, bevor die erste Ursache überhaupt wirken kann.

Anwendungsbereiche der Überholenden Kausalität

Die überholende Kausalität findet insbesondere in zwei Rechtsgebieten Anwendung: im Zivilrecht (vor allem bei Schadensersatzansprüchen) sowie im Strafrecht (bei Fragen zur Verantwortlichkeit für bestimmte Folgen einer Handlung). In beiden Bereichen geht es darum zu klären, wem ein bestimmter Schaden oder Erfolg rechtlich zugerechnet werden kann.

Zivilrechtliche Relevanz

Im Zivilrecht ist die überholende Kausalität besonders bei Schadensersatzansprüchen von Bedeutung. Hier stellt sich die Frage, ob jemand für einen eingetretenen Schaden haftet, wenn nach seiner Handlung noch ein weiteres Ereignis hinzukommt und dieses letztlich den Schaden verursacht. Typischerweise wird geprüft, ob das erste Verhalten tatsächlich ursächlich war oder ob das zweite Ereignis als alleinige Ursache anzusehen ist.

Strafrechtliche Relevanz

Auch im Strafrecht spielt die überholende Kausalität eine wichtige Rolle – etwa bei Körperverletzungs- oder Tötungsdelikten. Hier muss festgestellt werden, wessen Verhalten tatsächlich zum Tod oder zur Verletzung geführt hat: War es die ursprüngliche Handlung einer Person oder wurde diese Wirkung durch das spätere Eingreifen eines anderen aufgehoben?

Kriterien zur Abgrenzung der Überholenden Kausalität von anderen Formen der Ursachenkette

Nicht jede Unterbrechung einer Ursachenkette stellt automatisch eine überholende Kausalität dar. Entscheidend ist:

  • Zeitlicher Ablauf: Die zweite Ursache tritt vor dem erwarteten Eintritt des Erfolgs durch die erste Ursache auf.
  • Kausale Wirkung: Der angestrebte Erfolg tritt ausschließlich aufgrund des zweiten Ereignisses ein; das erste hätte ohne das zweite nicht zum gleichen Ergebnis geführt.
  • Ausschlusswirkung: Das spätere Geschehen schließt aus, dass sich die frühere Gefahr realisiert.

Dadurch unterscheidet sich die überholende von anderen Formen wie etwa der „kumulative“ (zusammenwirkenden) oder „alternative“ (entweder/oder) Ursachenkette.

Beispiele zur Veranschaulichung der Überholenden Kausalität

  • Zivilrechtliches Beispiel: Jemand vergiftet Wasser mit einem langsam wirkenden Gift. Bevor jemand davon trinkt und daran stirbt, kippt jedoch versehentlich jemand anderes Salzsäure ins Wasser – was sofort tödlich wirkt. Stirbt nun jemand am Trinken des Wassers an den Folgen der Salzsäurevergiftung? Dann wäre nur dieses letzte Geschehen kausal; das Gift hatte keine Auswirkung mehr auf den Todeseintritt.
  • Strafrechtliches Beispiel: Eine Person verletzt jemanden schwer; bevor dieser an seinen Verletzungen stirbt, wird er jedoch Opfer eines Unfalls mit tödlichem Ausgang durch Dritte. Der Tod trat also nicht infolge der ersten Tat ein – sondern wegen des späteren Unfalls.
  • Straßenverkehrsbeispiel: Ein Autofahrer verursacht beinahe einen Unfall; kurz darauf kommt es aber unabhängig davon zu einem Zusammenstoß zwischen zwei anderen Fahrzeugen an derselben Stelle – wobei Personen verletzt werden.

Bedeutung für Haftung und Verantwortlichkeit

Nicht immer haftet also automatisch jeder Beteiligte am Anfang einer möglichen Ursachenkette auch tatsächlich für deren Ausgang bzw. Erfolgseintritt.
Bei Vorliegen einer echten überholenden Kausalität entfällt grundsätzlich sowohl zivil- als auch strafrechtlich eine Haftung für diejenigen Personen/Handlungen/Ereignisse, 
deren Beitrag zwar ursprünglich gefährdend war, 
aber tatsächlich nicht mehr zum Eintritt des Erfolges geführt hat.
Entscheidend bleibt stets: 
Nur wer wirklich kausal für den eingetretenen Schaden/Erfolg war, 
kann rechtlich verantwortlich gemacht werden. 

Bedeutungsunterschiede zu ähnlichen Begriffen

  • Kumulative (zusammenwirkende) Übellauslösungen: Hier wirken mehrere Ursachen gleichzeitig zusammen 
    und für sich genommen hätte jede einzelne bereits ausgereicht. 
    Eine &uuml ;berho l ende Ka usalit ät liegt hier gerade nicht vor.& nbsp ;< / li >

  • < b >Hypothetische&nbsp ;Kausa lit ät :< / b >Hier fragt man ,& nbsp ;
    ob e ine andere Ursa che denselben Er folg herbeigef ührt h&a uml ;tte ,& nbsp ;
    wenn d ie eigentliche Hand lung ausgeblieben w äre . Dies i st abzugrenzen v on d er &uuml ;ber hol end en Ka usa lit ät , da dort t ats&a uml ;ch lich e ine neue Ursa che wirksam wurde .< / li >
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    Häufig gestellte Fragen zur Überholenden Kausalität

    Was versteht man unter &uuml ber holender Ka usa lit ät ?< / h3 >
    < p >Unter &uuml ber holender Ka usa lit ät versteht man , dass e ine zuerst gesetz te Ursa che f uuml r e in en Sch aden od er Er folg dur ch ei n sp&a uml teres Erei gnis „u uml be rholt“ wi rd . Nur di ese sp&a uml tere Ur sach e is t dann re cht lich ma ss geb lich .< / p >

    < h3 >Wann is t di e &uuml ber ho lend e Kau salit at re cht lich relevant ?< / h3 >
    < p >&Uuml ber ho lend e Kau salit at is t vo r al lem da nn rel evant , we nn me hr ere U rsa chen m oeg lic h si nd un d nu r ei ne da vo n ta ts ae ch lic h de n Sc had en od er Er folg he rb ef uehrt ha t . Si eb kl ae rt di e Fra ge de r Zu rech nung un d Ha ft ung .< / p >

    < h3 >Wie grenzt si ch di e &uum l be rho len de Kau sa li ta et vo n ande ren Fo rm en ab ?< / h3 >
    < p >&Uum l be rho len de Kau sa li ta et lie gt nu r vo r , we nn ei ne zw eit ere U rs ach e so fr ue hei tig wi rk t , da ss si ch di eg ef ah r au s de m ers ten Ve rh alt en ni cht me hr ve rw irk lic ht ha tt . An son ste n ko enn te ei ne ku mu la ti ve od er hy po th eti sc he Ku as ali ta et vo rl ie gen .< / p >

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    < H 4 style = "margin-top:1em;" >Kann es meh rere ueberholen-de Ursachen geben?

    In seltenen Faellen koennen sogar mehrere spaeter eintretende Ursachen hintereinander auftreten,
    sodass jeweils erneut geprueft werden muss,
    welche letztendlich fuer den konkreten Erfolg ausschlaggebend war.

    Welche Bedeutung hat dies fuer Versicherungen?


    Ob Versicherungen leisten müssen hängt oft davon ab,
    welche konkrete Ursache als maßgeblicher Auslöser gilt –
    die ursprüngliche Gefahrenquelle verliert ihre rechtliche Bedeutung,
    wenn sie vom späteren Geschehen vollständig verdrängt wurde.
    Dies beeinflusst häufig auch Regulierungsentscheidungen.

    Gibt es Unterschiede zwischen Zivil- und Strafverfahren?


    Ja,
    im Zivilverfahren steht meist Schadensersatz im Vordergrund;
    im Strafverfahren geht es um persönliche Verantwortung für Straftaten.
    Das Prinzip bleibt aber gleich:
    Nur wer wirklich kausal gehandelt hat,
    wird verantwortlich gemacht.