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HOAI

Grundlagen der HOAI

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, kurz HOAI, ist eine Verordnung in Deutschland, die die Vergütung von Leistungen im Bereich der Architektur und des Ingenieurwesens regelt. Sie dient als rechtlicher Rahmen für die Berechnung von Honoraren bei Planungs- und Bauüberwachungsleistungen. Die HOAI legt fest, wie das Honorar zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern ermittelt werden kann.

Zweck und Anwendungsbereich der HOAI

Die Hauptaufgabe der HOAI besteht darin, Transparenz sowie Rechtssicherheit bei der Vergütung von Architekten- und Ingenieurleistungen zu schaffen. Sie findet Anwendung auf Verträge über Leistungen im Zusammenhang mit dem Bauwesen – insbesondere beim Entwurf, bei Planung oder Überwachung von Bauvorhaben. Die Regelungen betreffen sowohl private als auch öffentliche Auftraggeber.

Leistungsbilder nach HOAI

Die Verordnung unterscheidet verschiedene sogenannte Leistungsbilder. Diese umfassen beispielsweise Gebäudeplanung, Freianlagenplanung oder Tragwerksplanung. Für jedes dieser Leistungsbilder sind bestimmte Grundleistungen definiert; dazu zählen etwa Vorplanungen oder Entwurfsplanungen bis hin zur Objektüberwachung während des Baus.

Honorarermittlung nach HOAI

Das Honorar wird auf Basis verschiedener Faktoren berechnet: Dazu gehören unter anderem die anrechenbaren Kosten des Projekts sowie Umfang und Schwierigkeitsgrad der beauftragten Leistungen. Die Verordnung sieht dafür sogenannte Honorartafeln vor – Tabellen mit Mindest- und Höchstsätzen für unterschiedliche Leistungsphasen.

Mindest- und Höchstsätze in der Praxis

Früher waren diese Sätze verbindlich vorgeschrieben; inzwischen dienen sie überwiegend als Orientierungsrahmen für Vertragsverhandlungen zwischen den Parteien. Individuelle Vereinbarungen außerhalb dieses Rahmens sind grundsätzlich möglich, sofern sie ausdrücklich getroffen werden.

Rechtliche Bedeutung der HOAI im Vertragsverhältnis

Im Verhältnis zwischen Auftraggebern (zum Beispiel Bauherrinnen oder Investoren) sowie Architektinnen beziehungsweise Ingenieuren bildet die HOAI häufig einen wichtigen Bestandteil des Vertrages über Planungsleistungen. Sie bietet eine Grundlage zur Festlegung angemessener Vergütungen sowie zur Klärung möglicher Streitfragen rund um das Honorar.

Anpassung an europäische Vorgaben

Aufgrund europarechtlicher Entwicklungen wurde die Bindung an feste Mindest- bzw. Höchsthonorare gelockert: Heute können Vertragspartner ihre Honorare freier vereinbaren; dennoch bleibt die Orientierung an den Vorgaben weiterhin üblich – insbesondere dann, wenn keine ausdrücklichen abweichenden Vereinbarungen getroffen wurden.

Bedeutung für Verbraucherinnen und Verbraucher

Für Privatpersonen bietet die Anwendung der Verordnung einen gewissen Schutz vor unangemessen hohen oder niedrigen Honorarforderungen durch klare Strukturen zur Berechnung des Entgelts für Planungsleistungen am Bauprojekt.

Häufig gestellte Fragen zum Thema HOAI (FAQ)

Was regelt die HOAI?

Die Verordnung legt fest, wie das Honorar für Architekten- und Ingenieurleistungen berechnet wird.

Muss ein Vertrag immer nach den Vorgaben der HOAI abgeschlossen werden?

Nicht zwingend; es können auch individuelle Vereinbarungen getroffen werden.

Können Honorare außerhalb des Rahmens vereinbart werden?

Einer individuellen Vereinbarung steht grundsätzlich nichts entgegen.

Betrifft die Regelung nur Neubauten?

Sowohl Neubauprojekte als auch Umbauten oder Sanierungen fallen unter den Anwendungsbereich.

Sind alle Planungsleistungen durch diese Ordnung abgedeckt?

Nicht jede Leistung ist erfasst; es gibt Bereiche außerhalb ihres Geltungsbereichs.

Können ausländische Fachkräfte ebenfalls nach diesen Regeln abrechnen?

Soweit deren Tätigkeit dem deutschen Recht unterliegt beziehungsweise in Deutschland erbracht wird,
kann dies zutreffen.

Darf vom vereinbarten Honorar später abgewichen werden?

Nicht ohne weiteres; Änderungen bedürfen einer neuen Einigung beider Parteien.