Legal Wiki

Begünstigung

Veröffentlicht von MTR Legal Rechtsanwälte, Wirtschaftsrechtliche Kanzlei · Letzte Bearbeitung: 6. Mai 2026

Einführung in den Begriff der Begünstigung

Der Begriff der Begünstigung ist im rechtlichen Kontext von besonderer Bedeutung und beschreibt die Unterstützung oder Erleichterung einer Straftat durch einen Dritten. Diese Unterstützung kann sowohl vor als auch nach der Begehung der Tat erfolgen. Der Fokus liegt dabei darauf, dass der Begünstiger nicht selbst die Haupttat begeht, sondern diese durch sein Handeln unterstützt oder erleichtert. Die rechtlichen Konsequenzen für den Begünstiger unterscheiden sich je nach Art und Umfang der Unterstützung.

Eine typische Situation, in der von Begünstigung gesprochen wird, ist die Hilfe beim Verbergen von Beweismitteln oder das Bereitstellen eines Verstecks für einen Straftäter. Der Gesetzgeber sieht in solchen Handlungen eine Gefährdung des Rechtsfriedens, da sie dazu beitragen, dass die Haupttat unentdeckt bleibt oder der Täter sich der Strafe entzieht. Die Begünstigung wird daher strafrechtlich verfolgt, um den Schutz der Allgemeinheit zu gewährleisten und die Integrität des Rechtssystems aufrechtzuerhalten.

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Begünstigung eine eigenständige strafbare Handlung ist, die unabhängig von der Haupttat bewertet wird. Dies bedeutet, dass auch dann eine Strafbarkeit vorliegt, wenn die Haupttat selbst nicht zur Anklage gebracht oder der Haupttäter nicht ermittelt werden kann. Der rechtliche Schutzbereich umfasst damit auch die Beeinträchtigung der staatlichen Strafverfolgung durch Dritte.

Unterschiede zwischen Begünstigung und anderen Tatbeteiligungen

Begünstigung ist von anderen Formen der Tatbeteiligung, wie der Beihilfe oder Anstiftung, abzugrenzen. Der Hauptunterschied liegt im Zeitpunkt und der Art der Unterstützung. Während die Beihilfe eine Unterstützung vor oder während der Tatbegehung beschreibt, erfolgt die Begünstigung typischerweise nach der Vollendung der Haupttat. Der Begünstiger handelt also nachträglich, um dem Täter Vorteile zu verschaffen oder um die Folgen der Tat zu mildern.

Anders als bei der Anstiftung, bei der der Anstifter den Täter zur Begehung der Straftat anstiftet, ist der Begünstiger nicht an der Entstehung der Tat beteiligt. Er wird erst nach der Tat aktiv und hat somit keine Einflussnahme auf den Entschluss zur Tatbegehung. Dies macht die Begünstigung zu einem nachgelagerten Delikt, das sich auf die Folgen der Haupttat konzentriert.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der Vorsatz des Begünstigers. Dieser muss sich auf die Unterstützungshandlung selbst beziehen und nicht auf die Haupttat. Das bedeutet, dass der Begünstiger bewusst und willentlich handelt, um dem Täter einen Vorteil zu verschaffen oder die Entdeckung der Tat zu verhindern. Die Abgrenzung zu anderen Beteiligungsformen ist entscheidend für die rechtliche Einordnung und die daraus resultierenden strafrechtlichen Konsequenzen.

Beispiele für Begünstigung im Alltag

Im Alltag gibt es zahlreiche Situationen, in denen eine Begünstigung in Betracht kommen kann. Ein klassisches Beispiel ist das Verstecken eines gestohlenen Gegenstands durch eine dritte Person, die den Diebstahl nicht selbst begangen hat, aber dazu beiträgt, den Fund des Gegenstands zu verhindern. Auch das Verschaffen eines Alibis für einen Straftäter, um dessen Unschuld vorzutäuschen, fällt unter den Begriff der Begünstigung.

Ein weiterer Fall kann das Bereitstellen eines Fluchtfahrzeugs sein, nachdem ein Diebstahl oder eine andere Straftat begangen wurde. Hierbei liegt der Fokus auf der Unterstützung des Täters in der Flucht und dem Versuch, die Strafverfolgung zu vereiteln. Solche Handlungen zeigen deutlich, wie die Begünstigung die Aufklärung und Ahndung von Straftaten erschweren kann.

Auch im beruflichen Kontext können Handlungen begünstigend wirken. Beispielsweise könnte ein Mitarbeiter durch das Löschen oder Manipulieren von Daten dazu beitragen, dass wirtschaftskriminelle Handlungen seines Arbeitgebers unentdeckt bleiben. Diese Beispiele verdeutlichen die Vielseitigkeit der Begünstigung und die damit verbundene Gefahr für die Gesellschaft und das Rechtswesen.

Rechtliche Konsequenzen der Begünstigung

Die rechtlichen Konsequenzen einer Begünstigung hängen von mehreren Faktoren ab, darunter die Schwere der Haupttat und das Ausmaß der Unterstützung. Da die Begünstigung als eigenständiges Delikt behandelt wird, ist eine Bestrafung auch dann möglich, wenn die Haupttat selbst nicht oder nur unzureichend nachgewiesen werden kann. Dies unterstreicht die Eigenständigkeit und die besondere gesellschaftliche Relevanz der Begünstigung im Strafrecht.

Im Strafverfahren wird der Begünstiger häufig mit einer Strafandrohung konfrontiert, die bei erfolgreicher Verurteilung in eine Geld- oder Freiheitsstrafe münden kann. Die Höhe und Art der Strafe orientieren sich dabei an der Schwere der Tat und dem Umfang der Unterstützung. Eine mildernde Wirkung kann es haben, wenn der Begünstiger aktiv zur Aufklärung der Haupttat beiträgt oder seine Unterstützungshandlung bereut und dies glaubhaft machen kann.

Ein weiterer Aspekt ist die moralische Bewertung der Begünstigung. In der öffentlichen Wahrnehmung kann der Begünstiger als Mittäter angesehen werden, auch wenn er rechtlich nicht als solcher verurteilt wird. Diese gesellschaftliche Stigmatisierung kann langfristige Konsequenzen für das persönliche und berufliche Umfeld des Begünstigers haben, unabhängig von der rechtlichen Ahndung.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Im Rahmen der strafrechtlichen Begriffe ist es wichtig, die Begünstigung klar von ähnlichen Begriffen abzugrenzen. Ein häufig in diesem Kontext auftretender Begriff ist die Hehlerei. Während bei der Hehlerei der Erwerb, das Absetzen oder das Unterstützen beim Absetzen von gestohlenen Gütern im Vordergrund steht, fokussiert sich die Begünstigung auf die Unterstützung des Täters selbst und nicht auf die Tatbeute.

Ein weiteres Abgrenzungskriterium ist die Strafvereitelung. Diese beschreibt Handlungen, die darauf abzielen, die Strafverfolgung als solches zu verhindern oder zu behindern. Während sich die Strafvereitelung auf die gesamte Rechtsverfolgung bezieht, ist die Begünstigung enger gefasst und konzentriert sich auf die Vorteile, die dem Täter verschafft werden.

Die Klarheit in der Abgrenzung dieser Begriffe ist entscheidend für die korrekte rechtliche Einordnung und die Auslegung im Strafverfahren. Sie hilft dabei, die je weilige Verantwortung und die Motivation des Handelnden präzise zu untersuchen und die angemessenen rechtlichen Schritte einzuleiten.

Häufig gestellte Fragen zur Begünstigung

Was versteht man unter strafrechtlicher Begünstigung?

Unter strafrechtlicher Begünstigung versteht man die Unterstützung oder Erleichterung einer Straftat durch einen Dritten, der nicht selbst an der Haupttat beteiligt ist. Dies erfolgt in der Regel nach der Tatbegehung und zielt darauf ab, dem Täter Vorteile zu verschaffen oder die Entdeckung der Tat zu verhindern.

Wann liegt eine Begünstigung vor?

Eine Begünstigung liegt vor, wenn eine Person nach der Begehung einer Straftat aktiv wird, um dem Täter Vorteile zu verschaffen oder die Aufklärung der Tat zu behindern. Dies kann durch Handlungen wie das Verstecken von Beweismitteln, das Bereitstellen eines Fluchtfahrzeugs oder das Verschaffen eines Alibis geschehen.

Kann man wegen Begünstigung bestraft werden, wenn die Haupttat nicht nachgewiesen ist?

Ja, die Begünstigung ist ein eigenständiges Delikt und kann auch dann bestraft werden, wenn die Haupttat selbst nicht oder nur unzureichend nachgewiesen werden kann. Die Strafbarkeit ergibt sich aus der Unterstützungshandlung und den daraus resultierenden Vorteilen für den Täter.

Wie unterscheidet sich Begünstigung von Beihilfe?

Der Hauptunterschied liegt im Zeitpunkt der Unterstützung. Während Beihilfe vor oder während der Tatbegehung erfolgt, wird die Begünstigung typischerweise nach der Vollendung der Haupttat geleistet. Zudem bezieht sich der Vorsatz des Begünstigers nur auf die Unterstützungshandlung, nicht auf die Haupttat selbst.

Gibt es mildernde Umstände bei der Begünstigung?

Mildernde Umstände können vorliegen, wenn der Begünstiger aktiv zur Aufklärung der Haupttat beiträgt oder seine Unterstützungshandlung bereut und dies glaubhaft machen kann. Die genaue Bewertung obliegt jedoch den Gerichten und hängt von den Umständen des Einzelfalls ab.

Welche Strafen drohen bei einer Verurteilung wegen Begünstigung?

Die Strafen für Begünstigung können je nach Schwere der Haupttat und Umfang der Unterstützung von Geldstrafen bis zu Freiheitsstrafen reichen. Die genaue Strafzumessung orientiert sich an den individuellen Umständen des Falles und der rechtlichen Bewertung durch das Gericht.

Ist es strafbar, einem Freund bei der Flucht nach einer Straftat zu helfen?

Ja, das Helfen bei der Flucht nach einer Straftat kann als Begünstigung angesehen werden und ist strafbar. Es handelt sich hierbei um eine Unterstützungshandlung, die darauf abzielt, dem Täter einen Vorteil zu verschaffen oder die Strafverfolgung zu behindern.

MTR Legal Rechtsanwälte

MTR Legal Rechtsanwälte

Wirtschaftsrechtliche Kanzlei · Empfohlen von Handelsblatt & Best Lawyers

Letzte Bearbeitung: 6. Mai 2026