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Wahlweise Verurteilung

Veröffentlicht von MTR Legal Rechtsanwälte, Wirtschaftsrechtliche Kanzlei · Letzte Bearbeitung: 6. Mai 2026


Einführung in die Wahlweise Verurteilung

Der Begriff der wahlweisen Verurteilung ist ein rechtlicher Fachausdruck, der im Rahmen von Strafverfahren eine besondere Bedeutung hat. Er beschreibt die Möglichkeit, einen Angeklagten in einem Strafprozess für mehrere alternative Tatbestände zu verurteilen, ohne dass das Gericht eine endgültige Entscheidung darüber trifft, welcher der Tatbestände tatsächlich zutrifft. Eine solche Verurteilung kommt insbesondere dann in Betracht, wenn es schwierig ist, eindeutig festzustellen, welche der alternativen Handlungen der Angeklagte tatsächlich begangen hat.

Ein klassisches Beispiel für eine wahlweise Verurteilung ist die Situation, in der ein Angeklagter angeklagt wird, entweder Diebstahl oder Hehlerei begangen zu haben. In solchen Fällen kann das Gericht zu dem Schluss kommen, dass der Angeklagte in jedem Fall strafbar ist, unabhängig davon, welcher der beiden Tatbestände tatsächlich vorliegt. Die wahlweise Verurteilung stellt sicher, dass der Angeklagte zur Verantwortung gezogen wird, ohne dass das Gericht die genaue Tat festlegen muss.

Dieses Konzept ist besonders relevant in Fällen, in denen Unsicherheiten über die Beweislage bestehen. Es ermöglicht dem Gericht, eine gerechte Entscheidung zu treffen, selbst wenn nicht alle Details des Sachverhalts eindeutig geklärt werden können. Dadurch wird im Strafrecht eine gewisse Flexibilität geschaffen, die sicherstellt, dass Straftaten nicht ungesühnt bleiben, selbst wenn die Beweislage unklar ist.

Rechtliche Grundlagen der Wahlweisen Verurteilung

Die rechtlichen Grundlagen der wahlweisen Verurteilung beruhen auf der Idee, dass der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ nicht immer bedeutet, dass ein Angeklagter freigesprochen werden muss, wenn nicht zweifelsfrei eine bestimmte Tat nachgewiesen werden kann. Vielmehr kann das Gericht den Angeklagten verurteilen, wenn es sicher ist, dass zumindest eine der in Frage kommenden Handlungen strafbar ist. Diese Flexibilität in der Rechtsprechung ist ein wesentlicher Aspekt, um der Komplexität von Strafverfahren gerecht zu werden.

In der Praxis findet die wahlweise Verurteilung vor allem Anwendung in Fällen, in denen alternative Handlungsmöglichkeiten denkbar sind, die jedoch zu unterschiedlichen rechtlichen Beurteilungen führen könnten. Entscheidend ist hierbei, dass das Gericht nicht gezwungen ist, sich für einen konkreten Tatbestand zu entscheiden, sondern die Verurteilung auf der Grundlage der festgestellten Tatsachen und Indizien erfolgt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der rechtlichen Grundlagen ist, dass die Strafzumessung im Rahmen der wahlweisen Verurteilung den unterschiedlichen Schweregraden der infrage stehenden Delikte Rechnung tragen muss. Das Gericht muss also eine angemessene Strafe finden, die sowohl den Anforderungen der Gerechtigkeit als auch den Unsicherheiten der Beweislage entspricht.

Anwendungsbereiche der Wahlweisen Verurteilung

Die wahlweise Verurteilung findet Anwendung in zahlreichen Bereichen des Strafrechts, insbesondere in Fällen, in denen die genaue Tatbestandsaufnahme schwierig ist. Ein typischer Anwendungsfall kann etwa im Bereich der Eigentumsdelikte gefunden werden, bei denen unklar bleibt, ob der Angeklagte die Tat selbst begangen hat oder ob er nur von den Früchten der Tat profitiert hat. Diese Unsicherheit kann das Gericht dazu veranlassen, eine wahlweise Verurteilung auszusprechen.

Ein weiteres Beispiel ist bei Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit zu finden. Hier kann es problematisch sein, exakt zu bestimmen, welcher der Beteiligten welche Handlungen ausgeführt hat, insbesondere bei gemeinschaftlich begangenen Taten. Auch in solchen Fällen kann eine wahlweise Verurteilung in Betracht gezogen werden, um sicherzustellen, dass die Täter nicht ungestraft bleiben.

Letztlich zielt die wahlweise Verurteilung darauf ab, die Gerechtigkeit im Strafverfahren zu wahren, indem sie es dem Gericht ermöglicht, trotz unklarer Sachverhalte eine Entscheidung zu treffen, die dem Unrechtsgehalt der vermuteten Taten entspricht. Sie stellt somit ein unverzichtbares Instrument im Strafrecht dar, um die Effektivität der Strafverfolgung auch in komplizierten Fällen sicherzustellen.

Voraussetzungen für die Wahlweise Verurteilung

Eine wahlweise Verurteilung setzt voraus, dass mehrere alternative Tatbestände in Betracht kommen, die je weils für sich genommen strafbar sind. Das Gericht muss die Überzeugung gewinnen, dass der Angeklagte zumindest eine der in Frage kommenden Handlungen begangen hat. Die Unsicherheit bezüglich des konkreten Tatbestands darf jedoch nicht dazu führen, dass der Angeklagte insgesamt straflos bleibt, sofern eine Strafbarkeit sicher festgestellt werden kann.

Wichtig ist hierbei, dass die in Betracht kommenden Tatbestände nicht völlig unterschiedlich sein dürfen, sondern eine gewisse Ähnlichkeit aufweisen müssen. Dies ist erforderlich, um sicherzustellen, dass die gewählte Strafe in einem angemessenen Verhältnis zu der Schwere der möglichen Taten steht. Die Wahl der Strafe muss so erfolgen, dass sie dem Schweregrad des schwereren der in Betracht kommenden Delikte entspricht.

Darüber hinaus muss das Gericht bei einer wahlweisen Verurteilung die Beweislast sorgfältig abwägen. Es darf nicht zu einer solchen Verurteilung kommen, wenn die Zweifel an der Begehung der Tat zu groß sind. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit spielt eine entscheidende Rolle, um sicherzustellen, dass die Rechte des Angeklagten nicht über Gebühr beeinträchtigt werden.

Beispielhafte Fallkonstellationen der Wahlweisen Verurteilung

Um die Anwendung der wahlweisen Verurteilung zu veranschaulichen, können verschiedene Fallkonstellationen betrachtet werden. Ein typischer Fall könnte in einer Situation bestehen, in der eine Gruppe von Personen in einen Diebstahl verwickelt ist, jedoch unklar bleibt, wer konkret welche Rolle eingenommen hat. Hier könnte das Gericht zu dem Schluss kommen, dass zumindest einige Mitglieder der Gruppe strafbar gehandelt haben, auch wenn ihre konkrete Beteiligung unklar bleibt.

Ein weiteres Beispiel könnte in einem Fall von Körperverletzung liegen, bei dem mehrere Personen in eine Schlägerei verwickelt sind, jedoch unklar ist, welcher der Beteiligten den entscheidenden Schlag ausgeführt hat. Auch hier könnte eine wahlweise Verurteilung erfolgen, um sicherzustellen, dass die Beteiligten nicht ungestraft bleiben.

Schließlich kann auch bei wirtschaftskriminellen Delikten eine wahlweise Verurteilung in Betracht kommen. Wenn beispielsweise unklar ist, ob eine Person Betrug oder Veruntreuung begangen hat, könnte das Gericht eine Verurteilung aussprechen, die beide Möglichkeiten abdeckt. Diese Flexibilität im Strafverfahren zeigt, wie wichtig die wahlweise Verurteilung für die Rechtsdurchsetzung ist.

Häufig gestellte Fragen zur Wahlweisen Verurteilung

Was bedeutet wahlweise Verurteilung in einem Strafverfahren?

Wahlweise Verurteilung bedeutet, dass ein Gericht einen Angeklagten für mehrere alternative Tatbestände verurteilt, ohne sich auf einen konkreten Tatbestand festzulegen, sofern mindestens eine der Handlungen strafbar ist.

Warum wird eine wahlweise Verurteilung ausgesprochen?

Eine wahlweise Verurteilung wird ausgesprochen, um eine strafrechtliche Verantwortlichkeit sicherzustellen, wenn die genaue Tatbestandsaufnahme unklar ist, aber eine strafbare Handlung als sicher gilt.

Kann eine wahlweise Verurteilung angefochten werden?

Ja, wie jede andere gerichtliche Entscheidung kann auch eine wahlweise Verurteilung angefochten werden. Der Angeklagte hat das Recht, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.

Welche Rolle spielt die Beweislage bei der wahlweisen Verurteilung?

Die Beweislage spielt eine entscheidende Rolle. Eine wahlweise Verurteilung ist nur dann zulässig, wenn das Gericht überzeugt ist, dass zumindest eine der in Betracht kommenden Handlungen strafbar ist.

Wie wird die Strafe bei einer wahlweisen Verurteilung festgelegt?

Die Strafe wird so festgelegt, dass sie dem Schweregrad des schwersten der in Betracht kommenden Delikte entspricht, um den unterschiedlichen Schweregraden der Delikte Rechnung zu tragen.

In welchen Fällen kommt eine wahlweise Verurteilung häufig vor?

Eine wahlweise Verurteilung kommt häufig bei Eigentumsdelikten, Körperverletzungen und wirtschaftskriminellen Delikten vor, bei denen die genaue Tatbestandsaufnahme schwierig ist.

Unterscheidet sich die wahlweise Verurteilung im Jugendstrafrecht?

Im Jugendstrafrecht kann die wahlweise Verurteilung ebenfalls angewendet werden, wobei jedoch die speziellen Prinzipien und Ziele des Jugendstrafrechts, wie Erziehung und Resozialisierung, besonders berücksichtigt werden.


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