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Tagessatz

Tagessatz: Bedeutung, Funktion und Einsatzbereiche

Der Begriff Tagessatz bezeichnet im rechtlichen Kontext in erster Linie die Berechnungseinheit einer Geldstrafe im Strafrecht. Er verbindet die Schwere einer Tat (Anzahl der Tagessätze) mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der betroffenen Person (Höhe des einzelnen Tagessatzes). Daneben wird der Begriff auch außerhalb des Strafrechts verwendet, etwa als vertraglicher Vergütungssatz pro Kalendertag oder für pauschalierte Tagesbeträge in Verwaltung und Steuerrecht. Die juristische Prägung des Begriffs liegt jedoch im System der Geldstrafe.

Ursprung und Einsatzbereiche

  • Strafrecht: Geldstrafen werden in Tagessätzen festgesetzt; zentrales Anwendungsfeld.
  • Zivil- und Wirtschaftsleben: Tagessatz als vertraglicher Tagesvergütungssatz (z. B. bei Projekten, Beratung, Bauüberwachung).
  • Öffentliches Recht und Steuerrecht: Tagesbezogene Pauschalen (z. B. Spesen, Unterbringungskosten, Verwaltungssätze), teils umgangssprachlich als Tagessätze bezeichnet.

Tagessatz im Strafrecht (Geldstrafe)

Grundprinzip: Zweistufige Bemessung

Die Geldstrafe im Strafrecht besteht aus zwei Elementen:

  • Anzahl der Tagessätze: bildet die Tatschwere und das Verschulden ab.
  • Höhe des einzelnen Tagessatzes: richtet sich nach der finanziellen Leistungsfähigkeit der betroffenen Person.

Auf diese Weise soll die Geldstrafe vergleichbar spürbar sein, unabhängig von Einkommen und Vermögen.

Anzahl der Tagessätze

Die Anzahl bewegt sich typischerweise in einem fest umrissenen Rahmen. Für einzelne Taten werden häufig zwischen wenigen und mehreren hundert Tagessätzen festgesetzt. Bei der Zusammenfassung mehrerer Verurteilungen kann die Gesamtzahl in bestimmten Konstellationen deutlich höher ausfallen. Die konkrete Anzahl hängt von Art und Gewicht der Tat, Vorbelastungen, Tatfolgen sowie tatbezogenen Umständen ab.

Höhe eines Tagessatzes

Die Höhe eines Tagessatzes soll das durchschnittliche Nettoeinkommen der betroffenen Person pro Tag widerspiegeln. Üblich ist eine Betrachtung regelmäßiger Einkünfte (z. B. monatliches Nettoeinkommen) und deren Umrechnung auf einen Tageswert. Berücksichtigt werden regelmäßig auch:

  • laufende Verpflichtungen (z. B. Unterhalt),
  • Vermögens- und Schuldenlage,
  • besondere Belastungen oder außergewöhnliche Einkünfte,
  • Branche, Beschäftigungsform und Einkommensschwankungen.

Wenn konkrete Zahlen nicht sicher feststellbar sind, kann eine Schätzung erfolgen, die sich an den erkennbaren wirtschaftlichen Verhältnissen orientiert.

Unter- und Obergrenzen

Für den einzelnen Tagessatz bestehen gesetzlich definierte Mindest- und Höchstwerte, die gewährleisten sollen, dass Geldstrafen weder symbolisch noch übermäßig ausfallen. Auch für die Anzahl der Tagessätze gibt es feste Grenzen. Bei mehreren Taten ist eine Gesamtbemessung möglich, die die Höchstzahl anhebt und die Verhältnismäßigkeit wahrt.

Zahlung, Raten und Vollstreckung

Geldstrafen sind grundsätzlich in voller Höhe zu zahlen. Je nach Lage kann die Zahlung in Teilbeträgen über einen bestimmten Zeitraum zugelassen werden. Bei Zahlungsverzug greifen Vollstreckungsmaßnahmen, etwa die Beitreibung durch die zuständigen Stellen.

Nichtzahlung: Ersatzfreiheitsstrafe und gemeinnützige Arbeit

Wird eine Geldstrafe nicht beglichen, kann sie durch Freiheitsentzug ersetzt werden. Maßgeblich ist dabei die Anzahl der Tagessätze; in der Praxis entspricht ein Tagessatz einem Tag Ersatzfreiheitsstrafe. Unter bestimmten Voraussetzungen kann zur Abwendung der Ersatzfreiheitsstrafe auch die Ableistung gemeinnütziger Arbeit in Betracht kommen. Die Entscheidung hierüber erfolgt im Vollstreckungsverfahren.

Eintragungen und Folgen

Geldstrafen werden registriert. Ob und wie lange sie in einem behördlich ausgestellten Führungszeugnis erscheinen, hängt von der Höhe der Geldstrafe, weiteren Eintragungen und der Art des Führungszeugnisses ab. Kleinere Geldstrafen bleiben in bestimmten Konstellationen in einfachen Führungszeugnissen ungenannt; ab einer häufig maßgeblichen Schwelle von 90 Tagessätzen kann eine Aufnahme erfolgen. Die Eintragung im zentralen Register und die Darstellung im Führungszeugnis folgen unterschiedlichen Regeln.

Schätzung, Sonderlagen und internationale Bezüge

Bei unklaren Einkommensverhältnissen ist eine Schätzung möglich, die auf verfügbaren Anhaltspunkten basiert. Bei Auslandssachverhalten kommen Regeln zur Anerkennung und Vollstreckung finanzieller Sanktionen in Betracht. Wechselkurse, Lebenshaltungskosten und ausländische Berechnungsmodelle spielen eine Rolle, wenn im Inland anerkannt oder umgerechnet wird.

Tagessatz außerhalb des Strafrechts

Tagessatz als vertraglicher Vergütungssatz

In vielen Verträgen wird eine Tagesvergütung vereinbart, etwa für Beratungen, Bau- oder IT-Projekte. Rechtlich handelt es sich um eine Preisabrede. Wichtige Fragen sind die Definition des Tages (Kalendertag, Arbeitstag), die Abrechnung anteiliger Tage, Dokumentationspflichten, Nebenkosten und steuerliche Behandlung. Dieser Tagessatz ist kein strafrechtlicher Tagessatz, sondern ein frei vereinbarter Vertragspreis.

Tagespauschalen im Steuer- und Verwaltungsbereich

Im Steuer- und Verwaltungsrecht existieren Tagespauschalen (z. B. für Verpflegungsmehraufwand oder Unterbringung). Diese werden im Sprachgebrauch mitunter als Tagessätze bezeichnet, sind aber pauschale Tagesbeträge mit eigenständigen Regeln zur Anspruchsvoraussetzung, Höhe und Nachweiserfordernissen.

Abgrenzung: Pauschale vs. Tagessatz

Während der strafrechtliche Tagessatz individuell anhand der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bemessen wird, beruhen Tagespauschalen und vertragliche Tagessätze auf festgelegten Beträgen (gesetzlich, verwaltungsintern oder vertraglich vereinbart). Sie folgen jeweils eigenen rechtlichen Maßstäben und Zwecken.

Abgrenzungen, Missverständnisse und typische Konstellationen

Geldstrafe (Tagessatz) vs. Bußgeld

Bußgelder bei Ordnungswidrigkeiten werden als Gesamtbetrag festgesetzt, ohne Aufteilung in Tagessätze. Das Tagessatzsystem ist kennzeichnend für die Geldstrafe im Strafrecht und dient dort der einkommensbezogenen Ausgestaltung.

Sprachgebrauch: „Tagessatz“ als Per-Diem

Der Begriff wird im Alltag häufig für Tagesvergütungen, Spesen oder Tagespauschalen verwendet. Diese sind rechtlich von der strafrechtlichen Geldstrafe zu trennen und erfüllen andere Funktionen.

Mehrere Taten und Gesamtgeldstrafe

Bei mehreren Verfehlungen können Tagessätze zu einer Gesamtgeldstrafe zusammengeführt werden. Dabei wird eine neue Gesamtzahl von Tagessätzen festgelegt und die Tagessatzhöhe bestimmt; Grenzen der Zumessung und Verhältnismäßigkeit sind einzuhalten. Die Gesamtbildung soll zu einer einheitlichen, angemessenen Sanktion führen.

Beispielhafte Veranschaulichung

Angenommen, eine Person erzielt ein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen. Daraus wird ein Tageswert abgeleitet, der die Tagessatzhöhe bildet. Je nach Tatschwere wird eine Anzahl von Tagessätzen festgesetzt. Die Gesamtgeldstrafe ergibt sich durch Multiplikation von Anzahl und Höhe der Tagessätze. Änderungen der wirtschaftlichen Verhältnisse, besondere Belastungen oder mehrere Taten können die Höhe und die Anzahl beeinflussen. Bei Nichtzahlung kommen Vollstreckungsschritte bis hin zur Ersatzfreiheitsstrafe in Betracht.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Tagessatz

Was bedeutet „Tagessatz“ bei einer Geldstrafe?

Der Tagessatz ist die Berechnungseinheit einer Geldstrafe. Er setzt sich aus der Anzahl der Tagessätze (abhängig von der Tatschwere) und der Höhe eines Tagessatzes (abhängig von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit) zusammen. Die Geldstrafe ergibt sich aus der Multiplikation beider Faktoren.

Wie wird die Höhe eines Tagessatzes bestimmt?

Die Tagessatzhöhe orientiert sich am durchschnittlichen Nettoeinkommen pro Tag. Dabei können regelmäßige Einkünfte, Belastungen, Unterhaltsverpflichtungen, Vermögen und Schulden berücksichtigt werden. Wenn genaue Angaben fehlen, kann eine Schätzung erfolgen, die sich an erkennbaren Verhältnissen ausrichtet.

Wie viele Tagessätze kann ein Gericht festsetzen?

Die Anzahl der Tagessätze bewegt sich innerhalb gesetzlicher Grenzen. Für einzelne Taten liegt sie in einem bestimmten Rahmen; bei der Zusammenfassung mehrerer Taten kann eine höhere Gesamtzahl entstehen. Die konkrete Anzahl hängt von der Schwere der Tat und den Umständen des Einzelfalls ab.

Was passiert, wenn eine Geldstrafe nicht bezahlt wird?

Bei Nichtzahlung kann die Geldstrafe vollstreckt werden. Bleibt die Beitreibung erfolglos, ist eine Ersatzfreiheitsstrafe möglich, die sich an der Anzahl der Tagessätze orientiert. Unter bestimmten Voraussetzungen kann gemeinnützige Arbeit in Betracht kommen, um die Ersatzfreiheitsstrafe abzuwenden.

Steht eine Geldstrafe im Führungszeugnis?

Geldstrafen werden registriert. Ob sie in einem Führungszeugnis erscheinen, hängt von der Höhe der Geldstrafe, weiteren Eintragungen und der Art des Führungszeugnisses ab. In einfachen Führungszeugnissen bleiben geringere Geldstrafen bis zu einer häufig relevanten Schwelle von 90 Tagessätzen unter bestimmten Voraussetzungen unbenannt.

Kann die Geldstrafe in Raten gezahlt werden?

Es ist möglich, dass eine Ratenzahlung zugelassen wird. Dabei werden regelmäßig die finanziellen Verhältnisse und die Zumutbarkeit betrachtet. Die Entscheidung erfolgt im Rahmen der Vollstreckung.

Wird das Einkommen des Partners oder der Partnerin berücksichtigt?

Maßgeblich sind grundsätzlich die individuellen wirtschaftlichen Verhältnisse der betroffenen Person. Unterhaltsverpflichtungen und gemeinsame finanzielle Belastungen können jedoch in die Beurteilung einfließen.

Gibt es Tagessätze auch außerhalb des Strafrechts?

Ja. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet Tagessatz oft eine Tagesvergütung in Verträgen oder Tagespauschalen im Steuer- und Verwaltungsbereich. Diese sind von der strafrechtlichen Geldstrafe zu unterscheiden und folgen eigenen Regeln.