Legal Wiki

Streitwert

Begriff und Bedeutung des Streitwerts

Der Streitwert ist ein zentraler Begriff im deutschen Zivilprozessrecht. Er bezeichnet den Wert, um den die Parteien in einem gerichtlichen Verfahren streiten. Der Streitwert dient als Grundlage für verschiedene rechtliche und finanzielle Aspekte eines Verfahrens, insbesondere für die Berechnung der Gerichts- und Anwaltskosten sowie zur Bestimmung der Zuständigkeit von Gerichten.

Funktion des Streitwerts im Gerichtsverfahren

Der Streitwert erfüllt mehrere wichtige Funktionen im Rahmen eines gerichtlichen Verfahrens:

  • Kostengrundlage: Die Höhe des Streitwerts beeinflusst maßgeblich die Gebühren, die für das Verfahren anfallen. Sowohl Gerichtskosten als auch Anwaltsgebühren werden auf Basis dieses Wertes berechnet.
  • Zuständigkeitsbestimmung: Der festgelegte Wert entscheidet darüber, welches Gericht für das Verfahren zuständig ist. Bei höheren Beträgen kann beispielsweise ein Landgericht statt eines Amtsgerichts zuständig sein.
  • Bedeutung bei Rechtsmitteln: In bestimmten Fällen hängt es vom erreichten oder überschrittenen Streitwert ab, ob gegen eine Entscheidung ein weiteres Rechtsmittel eingelegt werden kann.

Ermittlung des Streitwerts

Streitigkeiten mit bezifferbaren Geldbeträgen

Bei Klagen auf Zahlung einer bestimmten Geldsumme entspricht der Streitwert in der Regel dem geforderten Betrag. Dies gilt etwa bei Forderungen aus Verträgen oder Schadensersatzansprüchen.

Nicht bezifferbare Ansprüche (z.B. Unterlassungsklagen)

In Fällen, in denen kein konkreter Geldbetrag gefordert wird – wie etwa bei Unterlassungs- oder Feststellungsklagen – wird der Wert nach Ermessen des Gerichts festgelegt. Dabei spielen Faktoren wie Bedeutung und Tragweite des Streits sowie wirtschaftliche Interessen eine Rolle.

Kombinierte Ansprüche und Mehrere Beteiligte

Wenn mehrere Ansprüche zusammen geltend gemacht werden oder mehrere Personen beteiligt sind, können sich besondere Regeln zur Zusammenrechnung ergeben. Das Gericht prüft dann individuell, wie sich diese Werte zum Gesamtstreitwert addieren oder voneinander abgrenzen lassen.

Anpassung und Überprüfung des Streitwerts während des Verfahrens

Der zunächst angesetzte Wert kann sich im Verlauf eines Prozesses ändern – etwa wenn neue Tatsachen bekannt werden oder zusätzliche Anträge gestellt werden. Das Gericht hat jederzeit die Möglichkeit, den ursprünglich festgesetzten Betrag zu korrigieren.

Bedeutung für Kostenrisiko und Kostenerstattungspflicht

Die Höhe des festgesetzten Werts wirkt sich direkt auf das Kostenrisiko aus: Je höher dieser Betrag liegt, desto mehr Gebühren fallen an. Nach Abschluss eines Verfahrens richtet sich auch die Erstattungspflicht gegenüber dem Gegner nach diesem Wert; wer unterliegt muss meist anteilig entsprechend zahlen.

Bedeutung außerhalb von Zivilprozessen

Neben zivilrechtlichen Auseinandersetzungen spielt der Begriff auch in anderen Bereichen eine Rolle – beispielsweise vor Verwaltungs-, Arbeits- oder Sozialgerichten -, wobei jeweils eigene Besonderheiten gelten können.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Streitwert

Was versteht man unter dem Begriff „Streitwert“?

Der Begriff bezeichnet den finanziellen Wert einer rechtlichen Auseinandersetzung vor Gericht; er bildet die Grundlage zur Berechnung von Gebühren sowie zur Bestimmung der sachlichen Zuständigkeit von Gerichten.

Muss immer ein konkreter Geldbetrag als Wert angegeben werden?

Nicht immer: Bei Klagen ohne konkrete Zahlungsforderung legt das Gericht einen angemessenen Betrag anhand verschiedener Kriterien fest.

Kann sich der einmal bestimmte Betrag während eines Prozesses ändern?

Liegen neue Informationen vor oder verändert sich das Klageziel wesentlich, kann das zuständige Gericht den ursprünglich angesetzten Betrag anpassen.

Ausschlaggebend wofür ist dieser Wert genau?

Der angesetzte Betrag bestimmt insbesondere Höhe von Gerichts- und Anwaltskosten sowie häufig auch darüber hinausgehende Rechte wie Berufungsmöglichkeiten.

Sind alle Arten von Verfahren betroffen?

Der Begriff findet nicht nur Anwendung im Zivilprozessrecht; er spielt ebenso eine Rolle in anderen gerichtlichen Bereichen mit eigenen Besonderheiten.

Müssen beide Parteien denselben Beitrag zahlen?

Die endgültige Kostenverteilung richtet sich nach Ausgang des Verfahrens; grundsätzlich trägt jedoch jede Partei zunächst ihre eigenen Auslagen.