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Rechtsirrtum

Begriff und Bedeutung des Rechtsirrtums

Der Begriff Rechtsirrtum bezeichnet eine Fehlvorstellung über die rechtliche Bewertung eines bestimmten Verhaltens oder einer Situation. Anders als beim Tatsachenirrtum, bei dem jemand über die tatsächlichen Umstände im Unklaren ist, bezieht sich der Rechtsirrtum auf das Nichtwissen oder falsche Wissen darüber, ob ein bestimmtes Verhalten erlaubt oder verboten ist. Ein Rechtsirrtum kann sowohl im Zivilrecht als auch im Strafrecht sowie in anderen Bereichen des Rechts auftreten.

Arten von Rechtsirrtümern

Irrtum über das Bestehen eines Gesetzes (unmittelbarer Rechtsirrtum)

Ein unmittelbarer Rechtsirrtum liegt vor, wenn eine Person nicht weiß, dass es überhaupt eine bestimmte gesetzliche Regelung gibt. Beispielsweise könnte jemand annehmen, dass ein bestimmtes Verhalten nicht geregelt ist und daher erlaubt sei.

Irrtum über die Auslegung eines Gesetzes (mittelbarer Rechtsirrtum)

Beim mittelbaren Rechtsirrtum kennt die Person zwar das Gesetz an sich, versteht aber dessen Inhalt oder Reichweite falsch. Dies kann etwa dann passieren, wenn jemand einen Begriff innerhalb einer Vorschrift anders interpretiert als es tatsächlich gemeint ist.

Irrtum über die Anwendbarkeit eines Gesetzes (Subsumtions- oder Anwendungsfehler)

Hierbei handelt es sich um einen Irrtum darüber, ob ein bekanntes Gesetz auf den konkreten Fall zutrifft. Die betroffene Person erkennt zwar das Vorliegen einer Regelung und deren Inhalt richtig an, wendet sie jedoch falsch auf den Sachverhalt an.

Bedeutung des Rechtsirrtums in verschiedenen Bereichen des deutschen Rechtssystems

Zivilrechtlicher Kontext

Im Zivilrecht kann ein Irrtum über rechtliche Vorschriften dazu führen, dass Verträge angefochten werden können oder bestimmte Willenserklärungen unwirksam sind. Allerdings wird zwischen einem Irrtum über Tatsachen und einem Irrtum über rechtliche Folgen unterschieden; nicht jeder Fehler in der rechtlichen Bewertung führt automatisch zu einer Anpassung von Verträgen oder Erklärungen.

Strafrechtlicher Kontext: Verbots- und Erlaubnisirrtümer

Im Strafrecht wird besonders zwischen dem sogenannten Verbots- und Erlaubnisirrtum unterschieden:

  • Verbotsirrtum: Die handelnde Person weiß nicht oder irrt sich darüber, dass ihr Verhalten verboten ist.
  • Erlaubnisirrtum: Die handelnde Person glaubt fälschlicherweise daran, ihr Verhalten sei ausnahmsweise erlaubt.

Sowohl der Verbots- als auch der Erlaubnis­irr­t­u­m können Auswirkungen darauf haben,
ob eine Tat strafbar bleibt beziehungsweise wie sie bewertet wird.

Bedeutung für die Verantwortlichkeit im Rechtssystem

Einem Menschen kann unter bestimmten Voraussetzungen zugutegehalten werden,
dass er einem unvermeidbaren Rechtsirr­t­u­m unterlag – also trotz aller zumutbaren Sorgfalt
nicht erkennen konnte,
dass sein Handeln rechtswidrig war.
Ob dies tatsächlich so war,
wird jeweils anhand der Umstände geprüft.
Andererseits schützt Unkenntnis vom Recht grundsätzlich nicht vor Nachteilen;
wer gegen geltende Regeln verstößt,
kann meist dennoch zur Verantwortung gezogen werden.

Klarstellung: Abgrenzung zum Tatsachenirr­t­u­m

Nicht verwechselt werden sollte der Rechtsirr­t­u­m mit dem Tatsachenirr­t­u­
Letzterer betrifft Fehleinschätzungen bezüglich tatsächlicher Gegebenheiten –
etwa wenn man glaubt,
eine Sache gehöre einem selbst,
obwohl dies objektiv falsch ist.
Der Rechtsirr­t­u­
hingegen bezieht sich ausschließlich auf fehlerhafte Annahmen hinsichtlich bestehender Gesetze
oder deren Anwendung.


Häufig gestellte Fragen zum Thema „Rechtsirtuum“

Was versteht man unter einem Rechtsirtuum?

Ein Rechtsirtuum liegt vor,wenn jemand falsche Vorstellungen davon hat,w as nach geltendem Recht erlaubt ,verboten ,geboten o d e r möglich i s t .Es handelt s ich also um einen Fehler bei d e r Einschätzung v o n Gesetzen u n d deren Anwendung a u f konkrete Fälle .

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Kannmanwegen einesrechtsirrturns Schadensersatz verlangen?

EinfalscherGlaubeanbestehenderechtlicheregelnkannunterUmständenzueinemSchadensersatzanspruchführen,wennbeispielsweiseeinVertragaufgrunddesIrrtumsangefochtenoderfürunwirksamerklärtwird.ObundwelcheAnsprücheimEinzelfallbestehen,hängtvomgenauenSachverhaltab.

Mussderrechtsirrturnachgewiesenwerden?

Diefeststellung,einePersonhabeeinemRechtsirrturnunterlegen,musssichausdemGesamtzusammenhangderUmständeergeben.InVerfahrenistdarzulegen,dassdieFehlvorstellungechtbestandundnichtnurbehauptetwurde.DieBewertungübernimmtdaszuständigeGerichtoderdieentsprechendeBehörde.