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ÖPNV

Begriff und Abgrenzung: Was ist ÖPNV?

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) bezeichnet die entgeltliche Beförderung von Personen mit Verkehrsmitteln, die regelmäßig auf kurzen bis mittleren Strecken verkehren und der allgemeinen Bevölkerung zugänglich sind. Dazu zählen insbesondere Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen sowie der Schienenpersonennahverkehr. Der ÖPNV dient der Grundversorgung mit Mobilität und ist Teil der staatlichen Daseinsvorsorge.

Abgrenzung zu anderen Verkehrsformen

ÖPNV unterscheidet sich vom Fernverkehr, der auf lange Distanzen ausgelegt ist. Ebenfalls abzugrenzen sind Gelegenheitsverkehre wie Taxis oder Mietwagen sowie Sonderformen wie Schülerbeförderung, die zwar oft eingebunden sind, rechtlich jedoch eigene Regelungen aufweisen. On-Demand-Angebote können als Teil des ÖPNV eingeordnet sein, wenn sie öffentlich zugänglich und in das Gesamtsystem integriert sind.

Rechtsrahmen und Zuständigkeiten

Mehrebenensystem

Der rechtliche Rahmen des ÖPNV entsteht im Zusammenspiel von europäischer, nationaler und landesrechtlicher Ebene. Europäische Vorgaben regeln insbesondere, wie öffentliche Personenverkehrsdienste organisiert, beauftragt und finanziert werden dürfen. National werden Grundstrukturen, Sicherheitsanforderungen, Wettbewerbsregeln und Verbraucherschutz festgelegt. Die Länder konkretisieren Zuständigkeiten und planen den Nahverkehr in ihrem Gebiet dezentral. Kommunen und kommunale Zweckverbände sind regelmäßig Aufgabenträger und organisieren das Angebot vor Ort.

Planung und Steuerung

Aufgabenträger und Nahverkehrsplanung

Örtliche Aufgabenträger definieren Ziele, Qualitätsstandards und Netzstrukturen. Sie legen fest, welche Linien, Takte und Bedienstandards erforderlich sind, um die Versorgung sicherzustellen. Diese Planung bildet die Grundlage für die Leistungserbringung, die Finanzierung und die Tarifsysteme.

Verbund- und Kooperationsstrukturen

Verkehrsverbünde koordinieren Tarife, Fahrpläne und Vertrieb über mehrere Unternehmen und oft über Kreis- oder Landesgrenzen hinweg. Dadurch entstehen einheitliche Tickets, abgestimmte Umstiege und gemeinsame Informationssysteme. Verbünde sind organisatorisch-rechtliche Plattformen, keine Verkehrsbetriebe.

Leistungserbringung: Modelle und Verträge

Konzession, Genehmigung und öffentliche Dienstleistungsaufträge

Der Betrieb von Linienverkehren setzt eine behördliche Genehmigung oder die vertragliche Beauftragung durch einen Aufgabenträger voraus. Es gibt zwei Grundformen: eigenwirtschaftliche Verkehre, die ohne öffentliche Ausgleichszahlungen angeboten werden, und gemeinwirtschaftliche Verkehre, bei denen öffentliche Stellen Leistungen bestellen und dafür Ausgleich leisten. Gemeinwirtschaftliche Leistungen werden nach den geltenden Vergabe- oder Beauftragungsregeln organisiert; je nach Voraussetzungen kommen Ausschreibungen oder zulässige Direktvergaben in Betracht.

Verkehrsverträge und Qualitätsvorgaben

Verkehrsverträge legen Leistungsumfang, Qualitätskriterien, Vergütung und Kontrollmechanismen fest. Typisch sind Vorgaben zu Pünktlichkeit, Fahrzeugstandards, Barrierefreiheit, Informationsqualität und Kundenservice. Vertragsmechanismen umfassen Anreize, Sanktionen, Berichtspflichten und Prüfrechte. Transparenzanforderungen sichern die nachvollziehbare Verwendung öffentlicher Mittel.

Infrastruktur und Betrieb

Infrastruktur (z. B. Schienennetz, Haltestellen, Betriebshöfe) und Betrieb (Zug- oder Busverkehr) können getrennt oder integriert organisiert sein. Für die Nutzung von Schieneninfrastruktur gelten regulierte Zugangsbedingungen. Sicherheit erfordert behördliche Zulassungen, betriebliche Sicherheitskonzepte und geeignete Qualifikation des Personals.

Finanzierung und Tarifsysteme

Finanzierungsquellen

Der ÖPNV wird aus Fahrgeldeinnahmen, öffentlichen Zuschüssen und Ausgleichszahlungen für vorgegebene Leistungen finanziert. Investitionsmittel fließen in Fahrzeuge, Depots und Infrastruktur, Betriebszuschüsse decken den laufenden Aufwand. Für den Schienenpersonennahverkehr stellen nationale Finanzströme den Ländern Mittel zur Verfügung, die diese weiterreichen oder durch eigene Budgets ergänzen.

Tarife, Ermäßigungen und Verbünde

Tarife werden durch die verantwortlichen Stellen festgelegt und können einfache Streckenkarten, Zonentarife oder entfernungsbasierte Modelle umfassen. Ermäßigungen für bestimmte Gruppen (z. B. Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Menschen mit geringem Einkommen) beruhen auf öffentlichen Vorgaben. Verbünde bieten regelmäßig einheitliche Tarife und zeitbezogene Angebote bis hin zu räumlich weit gültigen Zeitkarten sowie digitale Vertriebswege.

Beihilfen- und Wettbewerbsrecht

Öffentliche Zahlungen an Verkehrsunternehmen müssen mit Wettbewerbs- und Beihilfenvorgaben vereinbar sein. Erforderlich sind klare Leistungsbeschreibungen, angemessene Vergütung und Vermeidung von Überkompensation. Dokumentations- und Veröffentlichungspflichten dienen der Nachvollziehbarkeit.

Rechte und Pflichten im ÖPNV

Beförderungsvertrag und Beförderungsbedingungen

Zwischen Fahrgast und Unternehmen entsteht mit dem Ticketkauf oder dem Betreten eines Verkehrsmittels ein Beförderungsvertrag. Dessen Inhalt wird durch die veröffentlichten Beförderungsbedingungen und Tarifbestimmungen konkretisiert. Regelungen betreffen u. a. Mitnahmerechte, Fahrscheinkontrollen, Sicherheit, Sauberkeit und das Hausrecht. Bei Verstößen kann die Beförderung verweigert werden.

Fahrgastrechte

Fahrgäste haben Anspruch auf sichere Beförderung, verständliche Informationen, Zugänglichkeit ohne ungerechtfertigte Benachteiligung und angemessene Betreuung bei Störungen. In bestimmten Fällen bestehen Ausgleichs-, Erstattungs- oder Unterstützungsansprüche nach den jeweils anwendbaren Regelungen und Beförderungsbedingungen. Informationspflichten gelten vor und während der Fahrt.

Kontrolle und Sanktionen

Die ordnungsgemäße Nutzung wird durch Kontrollen gesichert. Ohne gültigen Fahrausweis können erhöhte Beförderungsentgelte erhoben werden. Manipulationen und Erschleichen der Beförderung sind rechtlich sanktioniert. Unternehmen sind befugt, Personal zur Kontrolle einzusetzen und Identitätsfeststellungen im zulässigen Rahmen zu veranlassen.

Sicherheit, Technik und Barrierefreiheit

Sicherheitsanforderungen

Fahrzeuge müssen technischen und betrieblichen Sicherheitsstandards entsprechen. Betreiber unterhalten Sicherheits- und Notfallkonzepte, schulen Personal und arbeiten mit Aufsichtsbehörden zusammen. Besondere Regelungen gelten für den schienengebundenen Betrieb, einschließlich technischer Sicherungssysteme und Betriebsleitverfahren.

Barrierefreiheit und Nichtdiskriminierung

Der ÖPNV ist schrittweise barrierefrei auszugestalten. Das umfasst stufenarme oder stufenfreie Zugänge, taktile und visuelle Leitsysteme, akustische und digitale Informationen sowie geeignete Flächen im Fahrzeug. Diskriminierungsverbote schützen vor ungerechtfertigten Ausschlüssen; sachlich begründete Sicherheitsvorgaben bleiben zulässig.

Datenschutz und digitale Systeme

Elektronische Tickets, Online-Vertrieb, Check-in/Check-out-Systeme und Videoaufzeichnungen unterliegen Datenschutzprinzipien wie Zweckbindung, Datensparsamkeit und Transparenz. Personenbezogene Daten dürfen nur im erforderlichen Umfang verarbeitet werden; Betroffene haben Auskunfts- und Berichtigungsrechte.

Umwelt, Klima und Stadtentwicklung

Umweltziele und saubere Beschaffung

Der ÖPNV trägt zur Reduktion von Emissionen bei. Beschaffungen berücksichtigen Anforderungen an saubere und energieeffiziente Fahrzeuge. Förderprogramme und Beschaffungsvorgaben steuern die Flottenmodernisierung.

Raumordnung, Bau und Genehmigungen

Der Ausbau von Infrastruktur, etwa bei Bahnstrecken oder Straßenbahntrassen, erfordert planungs- und baurechtliche Zulassungen. Umwelt- und Anwohnerschutz werden in formellen Verfahren abgewogen. Haltestellen, Betriebshöfe und digitale Informationssysteme unterliegen technischen und baulichen Standards.

Besondere Konstellationen

Schülerverkehr und Sonderverkehre

Schülerverkehre werden häufig in den ÖPNV integriert. Zuständigkeiten und Finanzierung können gesondert geregelt sein. Es gelten die allgemeinen Sicherheits- und Qualitätsanforderungen, ergänzt um besondere Standards.

On-Demand- und Linienbedarfsverkehr

Bedarfsverkehre gelten als ÖPNV, wenn sie öffentlich zugänglich sind, unter öffentlicher Verantwortung stehen und in Tarif- sowie Informationssysteme eingebunden werden. Genehmigung und Betrieb folgen dem allgemeinen Rahmen, angepasst an flexible Bedienformen.

Grenzüberschreitende Verkehre

Im grenznahen Raum greifen Kooperationsabkommen und abgestimmte Tarife. Anerkennung von Tickets, Abstimmung von Fahrplänen und Zuständigkeiten richten sich nach internationalen und nationalen Vorgaben.

Störungen, Streiks und höhere Gewalt

Bei Streiks, extremen Wetterereignissen oder sonstigen Störungen gelten Informationspflichten und, je nach Konstellation, Unterstützungs- oder Erstattungsansprüche nach den maßgeblichen Regeln. Sicherheitsinteressen können betriebliche Einschränkungen rechtfertigen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum ÖPNV

Was zählt rechtlich zum ÖPNV?

Zum ÖPNV zählen allgemein zugängliche, regelmäßig verkehrende Personenbeförderungen auf kurzen bis mittleren Strecken, insbesondere mit Bus, Straßenbahn, U- und S-Bahn sowie dem Schienenpersonennahverkehr. On-Demand-Angebote können einbezogen sein, wenn sie öffentlich zugänglich sind und unter öffentlicher Verantwortung betrieben werden.

Wer ist für Planung und Bestellung des ÖPNV zuständig?

Die grundlegenden Zuständigkeiten sind dezentral organisiert. Länder bestimmen die Aufgabenträger, meist Kreise, kreisfreie Städte oder Zweckverbände. Diese planen das Angebot, legen Qualitätsstandards fest und beauftragen Verkehrsunternehmen mit der Leistungserbringung.

Wie entstehen Tarife und Ermäßigungen im ÖPNV?

Tarife werden von Verbünden oder Aufgabenträgern festgelegt, oft in Abstimmung mit Verkehrsunternehmen. Ermäßigungen und besondere Zeitkarten beruhen auf öffentlichen Vorgaben. Die rechtliche Grundlage bilden die veröffentlichten Tarif- und Beförderungsbestimmungen.

Welche Rechte bestehen bei Verspätungen oder Ausfällen?

Es bestehen Informationspflichten und je nach Verkehrsträger sowie Vertragsbedingungen Ansprüche auf Unterstützung, Erstattung oder Ausgleich. Maßgeblich sind die anwendbaren Regelungen und die veröffentlichten Beförderungsbedingungen.

Dürfen Verkehrsunternehmen Fahrgäste von der Beförderung ausschließen?

Ein Ausschluss ist zulässig, wenn Beförderungsbedingungen verletzt werden oder Sicherheitsinteressen dies erfordern, etwa bei gefährlichem Verhalten. Das Hausrecht und die Sicherheit der übrigen Fahrgäste sind dabei maßgeblich.

Wie wird der ÖPNV finanziert?

Die Finanzierung erfolgt aus Fahrgelderlösen, öffentlichen Zuschüssen und Ausgleichszahlungen für bestellte Leistungen. Investitionen und Betriebskosten werden getrennt betrachtet; Transparenz- und Dokumentationspflichten sichern die Nachvollziehbarkeit.

Welche Datenschutzregeln gelten bei E-Tickets und Videoüberwachung?

Es gelten Grundsätze wie Zweckbindung, Datenminimierung und Transparenz. Personenbezogene Daten dürfen nur im erforderlichen Umfang verarbeitet werden. Betroffene haben Rechte auf Auskunft, Berichtigung und, soweit vorgesehen, Löschung.

Wann ist eine Ausschreibung erforderlich?

Die Beauftragung gemeinwirtschaftlicher Leistungen richtet sich nach vorgegebenen Verfahren. Ausschreibungen sind der Regelfall; Direktvergaben sind unter bestimmten, gesetzlich vorgesehenen Voraussetzungen möglich. Die Wahl des Verfahrens hängt von Art, Umfang und Struktur des Verkehrs ab.