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Besitzunternehmen

Veröffentlicht von MTR Legal Rechtsanwälte, Wirtschaftsrechtliche Kanzlei · Letzte Bearbeitung: 6. Mai 2026

Begriff und Grundlagen des Besitzunternehmens

Das Besitzunternehmen ist ein Begriff aus dem deutschen Gesellschafts- und Steuerrecht. Er beschreibt eine rechtliche und wirtschaftliche Konstellation, bei der das Eigentum an wesentlichen Betriebsgrundlagen – wie Grundstücken, Gebäuden oder Maschinen – von einem Unternehmen (dem sogenannten Besitzunternehmen) gehalten wird, während der eigentliche operative Geschäftsbetrieb von einem anderen Unternehmen (dem sogenannten Betriebsunternehmen) geführt wird. Zwischen beiden Unternehmen besteht in der Regel eine enge personelle oder wirtschaftliche Verflechtung.

Struktur und typische Ausgestaltung

In vielen Fällen handelt es sich beim Besitzunternehmen um eine Personengesellschaft oder Einzelperson, während das Betriebsunternehmen häufig als Kapitalgesellschaft organisiert ist. Das Besitzunternehmen vermietet oder verpachtet die für den Geschäftsbetrieb notwendigen Wirtschaftsgüter an das Betriebsunternehmen. Diese Trennung kann verschiedene Gründe haben, etwa zur Risikoverteilung oder zur steuerlichen Gestaltung.

Verhältnis zwischen Besitz- und Betriebsunternehmen

Das Verhältnis zwischen beiden Einheiten ist meist durch langfristige Miet- oder Pachtverträge geregelt. Die Eigentumsrechte verbleiben beim Besitzunternehmen; das Nutzungsrecht geht auf das Betriebsunternehmen über. Oftmals sind beide Unternehmen durch gemeinsame Gesellschafter verbunden.

Zweck eines Besitzunternehmens

Ein zentrales Ziel dieser Struktur liegt darin, Vermögenswerte vom operativen Risiko des laufenden Geschäfts zu trennen. Im Falle einer Insolvenz des Betriebsunternehmens bleibt das Eigentum am Anlagevermögen im Bestand des Besitzunternehmens erhalten.

Rechtliche Aspekte des Besitzunternehmens

Gesellschaftsrechtliche Einordnung

Das Besitzunternehmen kann in unterschiedlichen Rechtsformen bestehen: als Einzelperson, Personengesellschaft (wie GbR oder OHG) oder Kapitalgesellschaft (wie GmbH). Die Wahl der Rechtsform beeinflusst die Haftung sowie die steuerlichen Rahmenbedingungen beider Unternehmenseinheiten.

Miet- und Pachtverhältnisse zwischen den Unternehmen

Die Überlassung von Wirtschaftsgütern erfolgt regelmäßig auf Basis schriftlicher Verträge mit marktüblichen Konditionen. Diese Verträge regeln insbesondere Mietdauer, Höhe der Miete bzw. Pacht sowie Rechte und Pflichten beider Parteien hinsichtlich Instandhaltung und Nutzung.

Bedeutung für Gläubigerinteressen

Da wichtige Vermögenswerte nicht im Eigentum des operativen Unternehmens stehen, sondern beim rechtlich selbstständigen Besitzunternehmen verbleiben, können Gläubiger im Insolvenzfall nur eingeschränkt auf diese zugreifen.

Steuerliche Besonderheiten bei Besitzgesellschaften

Die Trennung von Betriebsgesellschaft und Besitzeinheit hat auch steuerlich weitreichende Folgen: Einnahmen aus Vermietung bzw. Verpachtung werden beim Besitzer als Einkünfte behandelt; Gewinne aus dem operativen Geschäft fallen hingegen beim Betreiber an. 

Betriebsaufspaltung als Sonderfall

Einer besonderen Beachtung bedarf die sogenannte „Betriebsaufspaltung„. Sie liegt vor,
wenn personelle Verflechtung (z.B. durch identische Gesellschafterstrukturen)
und sachliche Verflechtung (z.B. durch Überlassung wesentlicher Betriebsmittel)
zwischen beiden Gesellschaften bestehen.
In diesem Fall gelten besondere steuerrechtliche Vorschriften bezüglich Gewinnermittlung,
Gewinnzurechnung sowie Besteuerung.


Häufig gestellte Fragen zum Thema „Besitzunternehmen“

Was unterscheidet ein Besitz- vom Betriebsunternehmen?

Ein
besitzt lediglich die wesentlichen betrieblichen Vermögensgegenstände wie Immobilien
oder Maschinen – das andere führt den eigentlichen Geschäftsbetrieb.

Muss ein Mietvertrag zwischen beiden Gesellschaften abgeschlossen werden?

Zwischen
dem Besitzer (Eigentümer) der Wirtschaftsgüter und dem Nutzer sollte ein Vertrag über Nutzung,
Rechte & Pflichten geschlossen werden.

Können beide Firmen unterschiedliche Rechtsformen haben?

Sowohl
Besitzeinheit als auch Betreibergesellschaft können eigenständig in verschiedenen Rechtsformen organisiert sein.

Darf dieselbe Person beide Firmen kontrollieren?

Soweit keine gesetzlichen Verbote entgegenstehen,
kann dieselbe natürliche Person sowohl am Besitzelement als auch am Betriebselement beteiligt sein.

Kann ein Familienmitglied alleiniger Inhaber eines solchen Unternehmens sein?

Theoretisch kann jede natürliche Person alleiniger Inhaber einer solchen Einheit sein;
dies hängt jedoch von gewählter Organisationsform ab.

Müssen besondere Buchführungsregeln eingehalten werden?

Buchführungspflichten richten sich nach Größe,
Art & Rechtsform jeder einzelnen Einheit separat.

Sind Gläubiger geschützt vor Zugriff auf Vermögen im Insolvenzfall?  <P>Im Regelfall bleibt Eigentum am Anlagevermögen außerhalb des Zugriffsbereichs fremder Gläubiger, sofern dieses nicht Teil derselben Rechtseinheit ist.</P>

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