Legal Lexikon

Wiki»Legal Lexikon»M&A»International

International


Begriff und Bedeutung von „International“ im Recht

Der Begriff „International“ bezeichnet im rechtlichen Kontext sämtliche Sachverhalte, Beziehungen oder Regelungen, die über die Grenzen eines Staatsgebiets hinausgehen und mehrere Staaten oder Rechtssysteme betreffen. Das Adjektiv „international“ wird in unterschiedlichen Rechtsgebieten verwendet, um Sachverhalte mit Auslandsbezug, grenzüberschreitenden Aspekten oder international geltenden Normen zu klassifizieren. Die genaue Bedeutung und Ausgestaltung des Begriffs unterscheidet sich in Abhängigkeit vom jeweiligen Rechtsgebiet, insbesondere zwischen dem Völkerrecht, dem Internationalen Privatrecht, dem Internationalen Strafrecht sowie dem internationalen Wirtschaftsrecht.

International im Völkerrecht

Begriff und Rolle

Im Völkerrecht beschreibt „international“ die Beziehungen zwischen souveränen Staaten und anderen Völkerrechtssubjekten, wie internationalen Organisationen. Grundlage ist die Anerkennung souveräner Gleichheit und rechtlicher Eigenständigkeit jedes Staates. Internationale Verträge und Konventionen bilden hierbei das wichtigste Regelungsinstrument.

Rechtliche Grundlagen

Internationale Rechtsquellen umfassen:

  • Völkergewohnheitsrecht: Langandauernde und allgemeine Praxis der Staaten, die als rechtlich verbindlich angesehen wird.
  • Verträge (Konventionen): Schriftliche Abkommen zwischen zwei oder mehreren Völkerrechtssubjekten, zum Beispiel die Charta der Vereinten Nationen.
  • Allgemeine Rechtsgrundsätze: Anerkannte Prinzipien der Rechtsordnungen der Staaten.

Anwendungsbereiche

Völkerrechtlich „international“ relevant sind unter anderem:

  • Diplomatische Beziehungen und Immunitäten
  • Internationale humanitäre und Menschenrechte
  • Grenzregelungen und territoriale Souveränität
  • Internationale Organisationen und supranationale Strukturen
  • Internationale Streitbeilegungsmechanismen (z. B. Internationaler Gerichtshof)

Internationales Privatrecht

Begriffsdefinition

Das Internationale Privatrecht (IPR) befasst sich mit Sachverhalten, die eine Berührung zu mehr als einer nationalen Rechtsordnung aufweisen. International bedeutet hier, dass mindesten ein ausländisches Element vorliegt, z. B. Wohnsitz, Staatsangehörigkeit, Ort eines Rechtsgeschäfts oder Lage einer Sache.

Kollisionsrecht

Das IPR entscheidet, welches Recht bei internationalen Sachverhalten anzuwenden ist (Kollisionsrecht), sowie Fragen der internationalen Zuständigkeit von Gerichten und der Anerkennung ausländischer Urteile.

Kernbereiche

  • Eheschließung und Ehescheidung zwischen Angehörigen verschiedener Staaten
  • Internationale Erbfälle
  • Verträge mit grenzüberschreitenden Elementen
  • Auslandssachverhalte im Handelsrecht

Rechtsquellen

Das internationale Privatrecht basiert auf nationalen Regelungen, internationalen Abkommen (wie der Rom I- und II-Verordnung in der Europäischen Union) sowie auf der Haager Konferenz für internationales Privatrecht.

Internationales Strafrecht

Begriffliche Einordnung

Im internationalen Strafrecht beschreibt „international“ einerseits die grenzüberschreitende Geltung strafrechtlicher Vorschriften und andererseits die Existenz von Straftatbeständen, welche auf internationaler Ebene verfolgt werden (z. B. Völkermord, Kriegsverbrechen).

Internationale Strafgerichtsbarkeit

Institutionen wie der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) üben internationale Strafgewalt über Einzelpersonen aus. Ergänzend existieren Ad-hoc-Tribunale (z. B. für das ehemalige Jugoslawien).

Implementierung auf nationaler Ebene

Nationalstaaten setzen internationale Strafrechtsnormen etwa durch das Weltrechtsprinzip oder das Prinzip der universellen Jurisdiktion in nationales Recht um.

International im Wirtschaftsrecht

Definition und Relevanz

Im internationalen Wirtschaftsrecht bezeichnet „international“ sämtliche Handelsbeziehungen, wirtschaftsrechtlichen Verträge oder wirtschaftsbezogenen Rechtsakte, die zwei oder mehr Staaten betreffen, etwa im Waren-, Dienstleistungs-, Kapitalverkehr oder internationalen Investitionsschutz.

Regelungsbereiche

Internationaler Warenverkehr

  • Regelung durch multilaterale Verträge wie das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT)
  • Verträge nach UN-Kaufrecht (CISG, Wiener Kaufrecht)

Internationaler Investitionsschutz

  • Bilaterale oder multilaterale Investitionsschutzabkommen
  • Internationale Schiedsgerichtsbarkeit zur Streitbeilegung

Finanz- und Dienstleistungsverkehr

  • Regelungen durch internationale Abkommen (z. B. Basel III, WTO-Verträge)
  • Internationale Standardisierung (z. B. durch internationale Normungsorganisationen)

Internationale Behörden, Organisationen und Rechtshilfe

Internationale Organisationen

Viele internationale Organisationen (z. B. Vereinte Nationen, Europäische Union, Weltbank, WTO) entstehen auf Grundlage internationaler Verträge und üben eine rechtliche Bindungswirkung auf die Mitgliedstaaten aus.

Internationale Rechtshilfe

Bei grenzüberschreitenden Straf-, Zivil- oder Verwaltungssachen unterstützen sich Staaten gegenseitig über Rechtshilfeabkommen – etwa zur Auslieferung, Vollstreckung von Urteilen oder Ermittlungshandlungen.

Abgrenzung zu supranational

Im Unterschied zum internationalen Recht, das die Beziehungen gleichgeordneter Staaten regelt, entsteht im supranationalen Recht (z. B. EU-Recht) eine übergeordnete Rechtsordnung mit unmittelbarer Bindungswirkung für Einzelpersonen und Behörden innerhalb der Mitgliedstaaten.

Zusammenfassung

Der Begriff „international“ besitzt im Recht eine facettenreiche Bedeutung. Abhängig vom jeweiligen Kontext bezeichnet er Rechtsbeziehungen, Normen, Institutionen oder Sachverhalte, die mehrere Staaten betreffen oder in mehr als einem Staat rechtliche Auswirkungen entfalten. Im rechtlichen Diskurs kennzeichnet „international“ dabei stets die grenzüberschreitende Dimension, weshalb ihn ein umfassendes Verständnis erfordert, das sowohl völkerrechtliche, privatrechtliche, strafrechtliche als auch wirtschaftsrechtliche Aspekte einschließt. Die Kenntnis und Beachtung internationaler Vorschriften ist dabei unverzichtbar für die rechtskonforme Gestaltung und Abwicklung sämtlicher internationaler Sachverhalte.

Häufig gestellte Fragen

Welche rechtlichen Herausforderungen entstehen bei internationalen Verträgen?

Internationale Verträge unterliegen einer Vielzahl rechtlicher Herausforderungen, da häufig unterschiedliche nationale Rechtsordnungen, Sprachen sowie Gepflogenheiten aufeinander treffen. Zunächst ist die Bestimmung des anwendbaren Rechts zentral: Parteien sollten durch eine Rechtswahlklausel klar festlegen, nach welchem nationalen Recht der Vertrag auszulegen ist, da dies ansonsten gemäß internationalen Kollisionsnormen wie der Rom-I-Verordnung (innerhalb der EU) oder dem UN-Kaufrecht (CISG) erfolgt. Ein weiteres Problem besteht in der Wirksamkeit und Durchsetzbarkeit solcher Verträge im Ausland, da Gerichte oder Schiedsstellen häufig unterschiedlich über Formvorschriften, Gültigkeit oder die Bedeutung einzelner Klauseln entscheiden. Sprachliche Barrieren und Übersetzungsfehler können zudem rechtliche Unsicherheiten verursachen. Schließlich sind auch steuerliche Aspekte, Währungsrisiken und etwaige staatliche Export- oder Importbeschränkungen zu berücksichtigen. Somit müssen internationale Verträge stets sorgfältig ausgearbeitet, sprachlich präzise und unter Berücksichtigung internationaler Normen sowie lokaler Besonderheiten gestaltet werden.

Welche rechtlichen Regelungen gelten für internationale Handelsgesellschaften?

Internationale Handelsgesellschaften bewegen sich im Spannungsfeld unterschiedlicher nationaler Gesellschafts-, Steuer- und Wirtschaftsgesetze. Die Gründung, Organisation und Führung einer solchen Gesellschaft richtet sich grundsätzlich nach dem Recht des Landes, in dem sie registriert ist (Sitztheorie bzw. Gründungstheorie, je nach Jurisdiktion). Problematisch wird es, wenn die Geschäftstätigkeit länderübergreifend erfolgt, etwa beim Errichten von Zweigniederlassungen oder Tochterunternehmen im Ausland. Im Hinblick auf Haftung, Geschäftsführung, Rechnungslegung und Offenlegungspflichten sind internationale Abweichungen zu beachten. Ferner regeln internationale Handelsabkommen wie das DBA (Doppelbesteuerungsabkommen) steuerliche Fragen, während etwa die EU durch Binnenmarktvorschriften eine Angleichung und Erleichterung grenzüberschreitender Tätigkeiten ermöglicht. Compliance-Themen, wie internationale Anti-Korruptionsgesetze (z.B. FCPA, UK Bribery Act), und internationale Rechnungslegungsstandards (IFRS) werden zunehmend relevant, um den Rechtsrahmen einhalten zu können.

Wie erfolgt die gerichtliche Durchsetzung eines Urteils im internationalen Kontext?

Die gerichtliche Durchsetzung eines Urteils im internationalen Kontext hängt davon ab, ob zwischen den betroffenen Staaten ein Abkommen über die Anerkennung und Vollstreckung von Urteilen existiert. Innerhalb der EU regelt die Brüssel Ia-Verordnung die automatische Anerkennung und Vollstreckung von Zivil- und Handelssachen. Außerhalb der EU richtet sich die Frage nach bilateralen oder multilateralen Abkommen (z.B. das New Yorker Übereinkommen für Schiedssprüche). Liegt kein solches Abkommen vor, muss das jeweilige ausländische Gericht in einem aufwendigen Anerkennungsverfahren prüfen, ob das ausländische Urteil im eigenen Land vollstreckt werden darf. Erforderlich sind dabei meist die Beachtung von Verfahrensgrundsätzen (ordre public), ordnungsgemäße Zustellung und die Zuständigkeit des Ursprungsgerichts. Die tatsächliche Umsetzung kann zudem durch unterschiedliche nationale Vorschriften erschwert werden, insbesondere in Bezug auf Vermögenspfändung oder Zwangsvollstreckung.

Welche Rolle spielt das internationale Privatrecht bei grenzüberschreitenden Rechtsfragen?

Das internationale Privatrecht (IPR), auch Kollisionsrecht genannt, bestimmt im Falle grenzüberschreitender Sachverhalte, welches nationale materielle Recht auf einen konkreten Fall anzuwenden ist und welches Gericht zuständig ist. In der EU regeln dies insbesondere die Rom-I- und Rom-II-Verordnungen für vertragliche und außervertragliche Schuldverhältnisse. Im Familien-, Erb- und Gesellschaftsrecht existieren zahlreiche Sonderregelungen. Das IPR trennt strikt zwischen Verfahrensrecht und materiellem Recht und gibt Vorrang für Rechtswahlmöglichkeiten der Parteien, soweit zulässig. Ohne explizite Rechtswahl kommen nationale Kollisionsnormen zur Anwendung, die je nach Land und Sachverhalt stark variieren und damit entscheidend für den Ausgang des Rechtsstreits sein können.

Welche rechtlichen Anforderungen gelten für den internationalen Datenschutz?

Im internationalen Datenschutz müssen sowohl nationale als auch supranationale Datenschutzgesetze beachtet werden. In der EU gilt etwa die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die ein hohes Schutzniveau vorschreibt und auch für Unternehmen außerhalb der EU gilt, sofern sie Daten von EU-Bürgern verarbeiten. Bei internationalen Datenübermittlungen sieht die DSGVO spezielle Mechanismen wie Angemessenheitsbeschlüsse, Standardvertragsklauseln oder verbindliche interne Datenschutzvorschriften (BCR) vor. Außerhalb der EU gibt es verschiedene Datenschutzstandards, etwa in den USA oder Asien, die zum Teil erheblich voneinander abweichen und unterschiedliche Anforderungen an Einwilligung, Datenübertragung und Betroffenenrechte stellen. Eine internationale Datenübermittlung erfordert daher stets eine sorgfältige Prüfung der geltenden Datenschutzregelungen beider beteiligter Länder.

Wie werden internationale Markenrechte durchgesetzt?

Internationale Markenrechte können durch Anmeldung bei internationalen Organisationen wie der WIPO (Madrider Abkommen/Madrider Protokoll) geschützt werden, was den Schutz in mehreren Staaten erleichtert. Die Durchsetzung erfolgt jedoch immer nach nationalem Recht des jeweiligen Schutzlandes. Eine Verletzung der Marke muss grundsätzlich vor den Gerichten des Landes geltend gemacht werden, in dem gegen das Markenrecht verstoßen wird. Internationale Abkommen wie das TRIPS-Abkommen geben Mindeststandards für den Schutz und die Durchsetzung von Markenrechten vor. Daneben kommt es häufig zur parallelen Anwendung von nationalen Schutzrechten, was eine genaue Überwachung durch den Markeninhaber erforderlich macht, um Verstöße wirksam verfolgen zu können.

Welche Besonderheiten gelten im internationalen Schiedsverfahren?

Internationale Schiedsverfahren bieten Parteien die Möglichkeit, Streitigkeiten außerhalb staatlicher Gerichte, durch private, von den Parteien bestimmte Schiedsrichter, zu entscheiden. Die rechtlichen Grundlagen werden im Schiedsvertrag festgelegt, der typischerweise die Schiedsstelle (etwa ICC, DIS oder LCIA), das anwendbare Recht, den Schiedsort und die Sprache regelt. Das New Yorker Übereinkommen von 1958 sorgt für eine weitgehende internationale Anerkennung und Vollstreckung von Schiedssprüchen in über 160 Staaten. Dennoch sind im Vergleich zu staatlichen Gerichten Besonderheiten zu beachten, u.a. beschränkte Anfechtungsmöglichkeiten und Kostenregelungen, eine flexible, vertrauliche Verfahrensgestaltung sowie in manchen Ländern Vorbehalte bei der Anerkennung von Schiedssprüchen bezüglich ordre public oder Nichtschiedsfähigkeit bestimmter Streitigkeiten. Das Schiedsverfahren wird daher häufig in internationalen Wirtschaftsverträgen als bevorzugtes Streitbeilegungsinstrument gewählt.