# BFH Entscheidung zur rückwirkenden Schenkungssteuer erklärt

Quelle: https://www.mtrlegal.com/bfh-entscheidung-zur-rueckwirkenden-schenkungssteuer-erklaert/ · Sprache: de · Stand: 2026-07-27

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Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom **20. November 2025** (**Az. II R 7/23**) entschieden, dass die **rückwirkende Anwendung** des **§ 13b Abs. 10 ErbStG** auf bestimmte Schenkungen **verfassungsrechtlich zulässig** sein kann – auch wenn die betreffende Vorschrift erst am **9. November 2016** in Kraft getreten ist. Die Entscheidung betrifft damit Konstellationen, in denen der steuerrelevante Vorgang bereits **vor** der Verkündung des Reformgesetzes abgeschlossen war, die Neuregelung aber auf einen **früheren Stichtag (01.07.2016)** zurückbezogen wurde.

Bemerkenswert ist dies insbesondere deshalb, weil der Streitfall eine Schenkung vom **24. Juli 2016** betraf – also deutlich vor dem 9. November 2016. Das Urteil verdeutlicht, dass bei der Übertragung von **Betriebsvermögen** die steuerliche Planung auch mögliche, bereits absehbare Gesetzesänderungen berücksichtigen sollte.

*Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung im Einzelfall.*

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## Schenkung von Betriebsvermögen: Ausgangsfall

Dem Verfahren lag eine Schenkung von Betriebsvermögen zugrunde. Der Vater übertrug am **24. Juli 2016** einen **Kommanditanteil** an einer **GmbH & Co. KG** auf seinen Sohn.

Bereits zu diesem Zeitpunkt war eine Reform der Erbschaft- und Schenkungsteuer absehbar: Das **Bundesverfassungsgericht** hatte mit Urteil vom **17.12.2014 (Az. 1 BvL 21/12)** Teile des damaligen Erbschaft- und Schenkungsteuerrechts für **verfassungswidrig** erklärt und den Gesetzgeber zur Neuregelung verpflichtet. Zwar sollte eine Reform zunächst bis **30. Juni 2016** erfolgen, das Gesetzgebungsverfahren verzögerte sich jedoch; die Neuregelung wurde erst am **9. November 2016** verkündet.

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## Altes oder neues Recht anwendbar?

Die Klägerseite vertrat die Auffassung, dass für die Schenkung vom 24. Juli 2016 noch das bis zum **30. Juni 2016** geltende Recht maßgeblich sei. Das Finanzamt sah dies anders und wandte die neue Rechtslage an. Begründung: Das Reformgesetz wurde **rückwirkend** zum **01.07.2016** anwendbar ausgestaltet.

Dagegen wandte sich die Klägerseite unter anderem mit dem Argument, die Rückwirkung verstoße gegen das **verfassungsrechtliche Rückwirkungsverbot** und verletze den **Vertrauensschutz**.

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## BFH: Rückwirkende Anwendung kann zulässig sein

Der BFH folgte dieser Argumentation nicht. Er entschied, dass die **rückwirkende Anwendung des § 13b Abs. 10 ErbStG** auf Erwerbe ab dem **01.07.2016** im konkreten Fall **verfassungsrechtlich zulässig** ist.

Der BFH stellte dabei klar, dass es sich grundsätzlich um eine **„echte Rückwirkung“** handelt, weil die Neuregelung an bereits abgeschlossene Sachverhalte anknüpft. Eine echte Rückwirkung ist im Verfassungsrecht zwar **grundsätzlich unzulässig**, kann aber ausnahmsweise zulässig sein – insbesondere dann, wenn **kein schutzwürdiges Vertrauen** in den Fortbestand der alten Regelung bestand.

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## Vertrauensschutz: Wann entfällt das schutzwürdige Vertrauen?

Entscheidend ist nach der Rechtsprechung, ob Betroffene zum Zeitpunkt ihrer Disposition **berechtigterweise** auf die bestehende Rechtslage vertrauen durften.

Der BFH verneinte ein schutzwürdiges Vertrauen im Streitfall – im Wesentlichen aus folgenden Gründen:

- **Vorhersehbarkeit der Reform:** Aufgrund der Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts aus 2014 mussten Steuerpflichtige mit einer Reform rechnen.
- **Konkrete gesetzgeberische Entwicklung:** Nach Ansicht des BFH war die spätere Rückwirkung für die Öffentlichkeit **hinreichend erkennbar**, weil es bereits **vor der Schenkung** eine ausreichend konkrete gesetzgeberische Entscheidung bzw. Beschlusslage gab.
- **Keine zwingende Bindung an die Verkündung:** Der BFH betont, dass nicht erst die **formelle Verkündung** zwingend den maßgeblichen Zeitpunkt markiert. Bereits ein fortgeschrittenes, konkretes Gesetzgebungsverfahren kann genügen, um Vertrauen in die alte Lage entfallen zu lassen.

Damit zeigt die Entscheidung: Der Vertrauensschutz kann bereits **vor** der tatsächlichen Veröffentlichung eines Gesetzes begrenzt sein, wenn die Neuregelung bereits **konkret absehbar** war.

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## Bedeutung für Praxis und Planung bei Schenkungen

Auch wenn echte Rückwirkungen weiterhin nur in **Ausnahmefällen** zulässig sind, macht das Urteil deutlich: Bei Schenkungen – insbesondere im Bereich des **Betriebsvermögens** – können Reformen und Übergangsregelungen erhebliche steuerliche Auswirkungen haben. Wer Vermögen überträgt, sollte gesetzgeberische Entwicklungen und mögliche Stichtage daher frühzeitig in die Planung einbeziehen.

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## Ergänzende rechtliche Einordnung (zur Vollständigkeit)

Zur Einordnung ist wichtig:

- Die verfassungsrechtliche Prüfung einer Rückwirkung erfolgt typischerweise am Maßstab des **Rechtsstaatsprinzips** (Art. 20 GG) und der daraus abgeleiteten Grundsätze zum **Vertrauensschutz**.
- Bei der „echten Rückwirkung“ kommt es maßgeblich darauf an, ob ausnahmsweise Gründe vorliegen, die den Eingriff rechtfertigen (u.a. fehlendes schutzwürdiges Vertrauen, besondere Gemeinwohlgründe, vorhersehbare Rechtsänderung).
- Ob diese Voraussetzungen vorliegen, ist stets **einzelfallabhängig** und hängt stark von der konkreten zeitlichen Entwicklung des Gesetzgebungsverfahrens sowie der jeweiligen Disposition ab.

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## Kontakt

MTR Legal Rechtsanwälte berät im **Erbrecht**.

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### Prüfung auf Rechtskonformität/Abmahnsicherheit (umgesetzt)

- Keine Verdachtsberichterstattung, keine unbelegten Vorwürfe; Darstellung als Wiedergabe eines Gerichtsentscheids („hat entschieden“, „nach Ansicht des BFH“).
- Keine irreführenden Werbeaussagen (keine Aussagen wie „beste“, „zertifiziert“, „kostenlos“ etc.).
- Enthält einen klaren Hinweis, dass der Beitrag keine individuelle Beratung ersetzt.

Wenn du möchtest, kann ich den Artikel zusätzlich auf **Werbekennzeichnung/Anbieterkennzeichnung** (z.B. Transparenz, Kanzleinennung, Mandatsakquise-Formulierungen) in einem zweiten Schritt sprachlich noch neutraler gestalten.
